Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 163 (sequence 35)
- Language
- German
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Delegierten-Ve rsammlun g (Propaganda unter den Frauen). 163 politischen Verständnisses in alle noch fernstehenden Kreise zu tragen und die Frauen und Mädchen zu gemeinschaftlicher Arbeit nach dieser Richtung heranzuziehen. Nicht die zum Teil geringen Jahresbeiträge sollen uns zur Erreichung unserer Zwecke dienen. Wir wollen mit allen jüdischen Frauen, mögen wir auch sonst verschiedene Wege gehen, uns auf dem neutralen Boden des Central-Vereins zur Erreichung seiner yochgesteckten Ziele zusammenfinden. Zunächst wollen wir dahin wirken, daß jede Frau wah Mutter durch ihr Vorbild die rechte Erzieherin ihrer Kinder werde. (Bravo!) Sie soll diese von ihrer frühesten Jugend an darauf Hinweisen, wie hoch vor allem dem Juden seine Ehre steht, wie diese bei jedem Angriff zu verteidigen ist. Sie soll ihre Kinder zur Bescheidenheit im äußeren Leben erziehen (Sehr richtig!) und durch eigenes Vorbild sie befähigen, dereinst treue Kinder unserer Glaubensgemeinschaft zu erziehen. (Bravo!) Die geistigen und sittlichen Charaktereigenschaften entwickeln und pflegen und ihnen die edelste Auffassung von Ehre, Nächstenliebe und Patriotismus einprägen, das soll die Aufgabe jeder Mutter sein. H;! : ( Welche außerordentliche Bedeutung der Erziehung der Jugend beizumessen ist, wissen wir ja alle. Diese liegt, da der Vater in den meisten Familien durch sein Berufsleben gezwungen ist, tagsüber außer dem Hause zu sein, fast ausschließlich in den Händen der Mutter. Leider aber muß es gesagt sein, daß von dieser Seite vielfach gesündigt wird. Die allzu moderne jüdische Frau hat wenig Zeit für ihre Kinder (Sehr richtig!), sie überläßt diese ihrem Personal und entäußert sich dadurch schon der edelsten Mutterpflichten. Es fehlt, in manchem Hause der moralische Halt, man stürmt von einem Vergnügen ins andere, und eine schöne, vornehme Häuslichkeit, in der man neben ruhiger Behaglichkeit auch dem modernen Leben nicht fernzustehen braucht, ist keineswegs die Regel. Aus die Erziehung der Töchter insbesondere sollen die Mütter ihr ganzes Augenmerk richten. Es würde weniger Unglück in der Welt geben, wenn unseren jungen Mädchen mehr sittlicher Halt für ihr Leben gegeben und diese nicht zur Oberflächlichkeit und Prunksucht erzogen würden. (Sehr richtig!)