Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 Im deutschen Reich. sicht sind, die ich von der Sache habe, die die Frage wie ich nicht bis zum letzten Ende durchtreiben wollen, und die auch nicht dahin gehen wollen, verdiente Mitglieder aus dem Vorstande deshalb hinauszudrängen. Das sind dann eben keine Fanatiker, sondern ruhige, friedliche Leute wie ich. (Heiterkeit.) Darum kann ich nur schließen: es ist keine Lebensfrage des Vereins, wenn sie recht aufgefaßt wird, sondern eine Zweifelsfrage, und in Zweifelsfragen muß man einem jeden seine, freie Meinung lassen. Sie muß jedem Mitgliede gelassen werden, wenn Sie wollen, daß wir in Fühlung bleiben mit den politischen Parteien. Der Schwerpunkt liegt darin, daß wir für die Zukunft eine Lehre daraus ziehen, daß wir beizeiten den politischen Parteien sagen: wir wollen keinen Taufjuden aufgestellt wissen. Sie haben gehört, daß diese Lehre aus dem Falle gezogen wird. Es gibt immer schadenfrohe Leute, die aus allen Zwistigkeiten für sich etwas herauszuschlagen suchen. Darum sage ich Ihnen allen: arbeiten Sie mit dem Vorstande zum Wohle des Vereins und damit des Judentums. (Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende: Es sind jetzt zum Falle Mugdan noch neun Redner gemeldet. (Rufe: Unmöglich! — Schluß!) Wir haben nach meiner Auffassung wichtigere Dinge vor (Lebhafte Zustimmung), als den Fall Mugdan zu erörtern. Ueber das Prinzipielle sind wir uns einig (Rufe: Nein!), über den Grundsatz, daß wir der Taufe und den Getauften soviel wie möglich im Interesse unserer Selbsterhaltung entgegentreten sollen. (Bravo!) Wir werden in dem einen Punkt eine Konzession machen müssen: es kann Fälle geben, wo ein Jude, der ein guter Centralvereinler ist, nicht auf dem Standpunkt steht, daß er einen Getauften unter allen Umständen perhorresziert, z. B. wenn Mugdan kontra Liebermann von Sonnenberg steht. Es wird schwer sein, eine generelle Regel zu geben. Wir sind aber nach meiner Ueberzeugung darin einig, daß der Central-Verein die Taufe zu bekämpfen hat um seiner selbst willen, um des Gedankens der Emanzipation willen. (Bravo!) Wie weit man in diesem Punkte gehen kann und wird, das wird eine Frage des Temperamentes sein. Aber im Prinzip, daß wir in dem Getauften einen ebenso großen Feind der Sache haben wie in einem Antisemiten (Sehr richtig), und daß von den beiden Strömungen, die das Juden-