Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 139 (sequence 11)
- Language
- German
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Delegierten-Versamrnlung (Fall Mugdan). 139 Meinung als ich kommen — ist das denn nun ein Grund, uns, die wir in so vielen grundlegenden Fragen Zusammengehen, zu trennen und einen verdienten Mitarbeiter aus unserer Mitte herausgraulen zu wollen, gegenüber den so verdienten Männern, die hier in Berlin die Leitung des Vereins in der Hand haben, die faktisch die Geschicke des Vereins geleitet haben und die den Verein zu so hoher Blüte gebracht haben? Ist das ein Grund, alle anderen großen Aufgaben, die unser Verein hat, zurückzustellen und nun wie verzückt in die eine Mugdanecke zu blicken, und bloß diese Geschichte zum Austrag bringen zu wollen? Ich denke, wenn wir uns nicht um das Geschrei einer zufällig zusammengebrachten Versammlungsmehrheit kümmern wollen, dann haben wir Besseres zu tun, dann haben wir uns z. B. mit den Satzungen zu beschäftigen, mit der Frage der Frauenorganisation, der Jugendorganisation. (Zustimmung.) Das sind nützliche Dinge, die uns deutschen Juden vorwärts helfen. Ich sage nichts über den Kampf gegen die Taufe, ich sage nicht etwa, der Kampf gegen die Taufe solle aufhören, ich sage nur, er gehört nicht so, wie die Gegner ihn wollen, in unseren Verein. Ich weiß ganz andere Stellen, wo er hingehört. Wenn so große sachliche Unterschiede bestehen, wie sie hier unter Ihren Führern zutage getreten sind, dann muß ich sagen: entweder wir scheiden die Frage aus unserer Diskussion aus, nachdem wir sie besprochen haben, nachdem jeder seine Ansicht gesagt hat, oder wir zersprengen den Verein. Und das würden.doch die am allermeisten bedauern, die diese Frage vom Standpunkte des Glaubens behandeln, die nicht vom politischen, sondern vom religiösen Gesichtspunkte aus die Sache betrachten. Ich sage also, vom Standpunkte des Politikers, vor allen Dingen aber vom Standpunkte des Mannes aus, der seit jeher den Central-Verein als diejenige Gemeinschaft im Judentum betrachtet hat, die unserem Judentum am meisten genutzt hat — ich sage: Fanatiker, laßt die Hand davon, ihr treibt ein gefährliches Spiel, ihr wißt nicht, was ihr tut, ihr wollt eine Sache, die für das gesamte Judentum von höchster Bedeutung ist, in die Luft sprengen. . (Widerspruch.) Diejenigen, die sagen: das ist falsch, gehören eben dann nicht zu den Fanatikern. (Heiterkeit.) Das sind dann eben diejenigen, die mit mir gehen, die etwa der An-