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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 138

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
138 (sequence 10)
Language
German
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138 Km beutfdjen Reich. Teil der deutschen Judenheit vor aller Welt vertreten wollen, und darum dürfen wir nicht mit dem Gefühl an solche Dinge herantreten. Wenn, wie uns Herr Dr. Lewy sagt, ein unvereinbarer Gegensatz zwischen beiden Richtungen klafft, so muß ich sagen: in einem sind wir — wie er das auch hervorgehoben hat — doch alle einig: wir alle verurteilen die Taufe. Jeder von uns ist abgeneigt, einem, der ohne Ueberzeugung sich Laufen läßt, in irgendeiner Weise dienlich zu sein. Darin — und darüber darf kein Zweifel sein — sind wir alle einig. Aber damit hört auch die Einigkeit unter uns auf. Nun gibt es unter uns Freunde, die meinen, daß sie, weil sie religiös orthodox gesinnt sind, mit getauften Juden in keiner Weise zusammengehen wollen, und es wird unter uns Freunde geben, die sagen: wir werden einen Kandidaten wie Mugdan, einen getauften Juden, in der Partei bekämpfen, wir werden im Zentralrate der Freisinnigen Volkspartei dahin wirken, daß solche Leute nicht ausgestellt werden, wir werden sie aber, wenn sie einmal aufgestellt sind, wählen. So wird es der Meinungen viele geben, in diesem Falle und in ähnlichen Fällen. Wollen wir da entscheiden, welche Meinung die richtige ist? Das' können Sie einfach nicht, Sie zwingen diejenigen unter Ihnen, die in führenden Stellen politisch tätig sind, der Sache des Central-Vereins blutenden Herzens den Rücken zu kehren. Denn, weine Damen und Herren, wir können nicht mit gebundener Marschroute in großen politischen Parteien Politik treiben. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir wissen alle, daß die Affäre Lövinson eine künstlich aufgebauschte Sache ist (Sehr wahr!), die nur dazu dienen soll, der einen Parteirichtung im Kampfe mit der andern einen greifbaren Vorteil zu sichern. Man hat mir heute früh erst gesagt — ich bin nicht Berliner — daß in demselben Wahlkreise der getaufte Baurat Herzberg ganz glatt von denselben Leuten seinerzeit gewählt ist, welche jetzt so feinfühlig sind. (Zuruf: Professor Eduard Engel!) Ich rede von demselben Wahlkreise. Damals hat niemand Protest dagegen erhoben. Wir wollen ohne Leidenschaft an die Sache herantreten. Es wird eine Anzahl guter Freunde unter uns geben, die es verkennen, daß die Politik die Grundlage dieser Bewegung ist, die aus gutgläubigem Herzen heraus zu einer anderen

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