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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 136

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
136 (sequence 8)
Language
German
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136 Im deutschen Reich. und wir erschüttern den Boden, auf dem wir uns bisher einmütig zusammengefunden haben. Ich hoffe, daß die Delegierten-Bersammlung tunlichst ohne eingehende Diskussion sich auf diesen Standpunkt stellen wird. Es ist bedauerlich, wenn wir mit dieser negativen Sache so viel Zeit verlieren, nicht nur heute, wir haben darunter schon seit Monaten gelitten, und wir haben den dringenden Wunsch, in dieser Frage endlich zur Ruhe zu kommen. Ich will Ihnen aber noch weiter sagen: Es ist der große Fehler begangen worden — wir haben darauf auch in der Zeitschrift schon hingewiesen —, daß man nicht rechtzeitig versucht hat, einen solchen Gewissenskonflikt, in den zweifellos doch sehr viele kommen, zu vermeiden, und daß man sich nicht frühzeitig um die Aufstellung der Kandidaturen gekümmert hat. (Sehr richtig!) Wir werden selbstverständlich bemüht sein, in der Zukunft diesen Fehler zu vermeiden. Wir haben bereits mit dem Borstande einer liberalen Partei Verhandlungen angeknüpft, und werden versuchen, unfern Einfluß dahin geltend zu machen, daß diejenigen liberalen Parteien, die ans die jüdischen Wähler in Zukunft rechnen, anch so rücksichtsvoll sind, zu vermeiden, die Juden in einen Gewissenskonflikt hineinzubringen, und daß sie in Zukunft mit der Kandidatur getaufter Juden Zurückhalten. (Bravo!) Wenn wir nach dieser Richtung zu wirken suchen, so werden wir auch zur Verständigung kommen. (Lebhafter Beifall.) Herr Landtagsabg. Rechtsanwalt Dr. Coh n-Dessau: Meine Damen und Herren! Den ausgezeichneten Darlegungen des Herrn Dr. Lewy möchte ich vom Standpunkte des Politikers aus nur noch wenig hinzusetzen. Es kann Sie nicht wundern, daß in dieser Frage auch der Politiker zum Worte verlangt, denn leider ist es so gekommen, daß diese politische Frage in unser friedliches Vereinsleben hiueingeworfen ist. Ich meine, daß wir auch bei der Betrachtung dieses ersten inneren Konfliktes mit dem Satze operieren müssen, der für jede Korporation, die etwas Gedeihliches leisten will, maßgebend sein muß: in Lebensfragen Einigkeit, in Zweifelsfragen Freiheit, in allem aber die Liebe zur Sache. (Sehr richtig!) Meine Damen und Herren, wer auch in dieser Sache Fanatiker sein will, mit dem vermag ich nicht zu reden. Jede Sache bis zur letzten Konsequenz durchgedacht, macht einer Vielheit

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