Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 135 (sequence 7)
- Language
- German
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DelegierLen-Versarnmlung (Fall Mugdan). 135 läßlich ist, wenn beispielsweise ein getaufter Jude mit einem Antisemiten als Gegenkandidat zu rechnen hat. Dann werden die einen auch sagen, dann wähle ich noch zehnmal lieber den Antisemiten als den getauften Juden. (Widerspruch.) Meine Herren, die einen werden so sagen, freilich nicht diejenigen, die jetzt nein sagen, sondern diejenigen, die jetzt ja denken. (Sehr gut!) Also, wenn wir nach dem Vorgeführten zu der Ueberzeugung kommen, es liegt ein non iiquet vor, so müssen wir uns darauf beschränken, Grundsätze, die uns einmütig zusammenhalten, aufzustellen. Es ist für uns ausgemacht, daß die Taufe etwas Verwerfliches ist, und jeder hat daraus seine Konsequenzen zu ziehen. Das wird der eine soweit treiben und der andere soweit. Sie würden eine ganze Reihe Mitglieder aus unserem Verein Hinaustreiben, wenn Sie beispielsweise den Satz aufstellen wollten: Mit einem Getauften nicht die geringste Berührung! Nun ist ein eifriges Mitglied unseres Vereins in die unangenehme Lage gekommen, daß sich seine Schwester hat taufen lassen, weil sie einen Christen hat heiraten wollen. Verlangen Sie von dem Vereins- Mitglied eine gesellschaftliche Trennung von der Schwester, wollen Sie den Familiensinn s o ausgelegt wissen? (Bewegung.) Meine Herren, das sind alles Anschauungen, die uns zu Ohren gekommen sind. Es sind keine persönlichen Meinungen von mir, nur Anschauungen, die uns vorgetragen worden sind, und die ich Ihnen nach beiden Richtungen hin habe klarlegen wollen, damit Sie daraus Ihre Schlüsse ziehen. Wenn morgen der Antrag Schemel an uns herantritt, beabsichtigen wir der Generalversammlung in ähnlicher Weise, wie ich das heute in kurzen Umrissen versucht habe, oorzuführen, welche Stellung wir zu der Sache einnehmen, mit der Konsequenz, daß wir es ablehnen müssen, eine Direktive einfür allemal zu geben. Wir wollen durchaus betonen, daß wir die Taufe für verwerflich halten, wir wollen sagen, wir haben volles Verständnis für diejenigen unserer Mitglieder, die sich darüber entrüsten, daß jemand für einen getauften Kandidaten eintritt, wir können aber auch unmöglich die anderen Mitglieder, die in solchen Fällen ihre persönliche freie Entscheidung für sich in Anspruch nehmen, boykottieren. Wir treiben dann einen Keil in unsere Reihen,