Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
133 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316783-2341358--18814-2341386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Tutgierreu-Versammlung (Fall Mugdan). 133 Wenn es solche gibt, so sind es eben Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Wir wissen ganz genau, daß diejenigen Juden, die heute ihr Judentum aufgeben und evangelisch oder katholisch werden, es lediglich aus materiellen Gründen tun, (Sehr richtig!) der eine aus politischem Ehrgeiz, der andere, weil er Karriere machen will, usw. Wir sehen in einem solchen Schacher mit dem Heiligsten, was wir haben, eine schmähliche Handlung (Lebhaftes Bravo!), eine Charakterlosigkeit und gleichzeitig eine Förderung der Bestrebungen der Regierung, von der wir behaupten, daß sie geradezu eine Prämie aus die Heuchelei setzt, wenn sie einen Menschen erst dann wert eines Amtes hält, wenn er seinem bisherigen Glauben untreu geworden ist. Ueber diese Frage herrscht absolute Einmütigkeit unter uns. Es ist oft genug gesagt worden, daß wir einen Selbstmord begehen würden, wenn wir eine andere Stellung einnähmen. Wir würden, wenn wir uns anders verhielten, die Abbröckelung des Judentums in einer Weise fördern, die seine ganze Existenz gefährden könnte. (Sehr richtig!) Nun, es wird bei alledem, was ich jetzt ausführe, der eine Teil immer „Sehr richtig!" rufen, und der andere Teil das Gegenteil Lenken. (Heiterkeit.) Es können jetzt gleich die anderen Herren „Sehr richtig!" rufen — das liegt eben in der Schwierigkeit der Frage. Es sagen nämlich die anderen: Wenn es auch zutreffend ist, daß wir die Taufe verwerfen, so dürfen wir doch nicht die letzten Konsequenzen daraus ziehen und nun einfür allemal eine Direktive geben wollen, die den einzelnen politisch tot macht, die ihn unmündig macht, ihn seines politischen Wahlrechts entkleidet. Es sagen die Herren, die in solchen Fällen es mit sich vereinbaren können, für einen getauften Juden einzutreten: das ist für mich überhaupt keine Frage, die ich persönlich zu behandeln habe. Wenn ich in Reih und Glied marschiere und meine Partei hat einen solchen Kandidaten einmal präsentiert, so habe ich nichts weiter zu tun, als der Parteidisziplin folgend die gegebene Marschroute zu gehen, an die Urne zu treten und meine Stimme abzugeben. (Sehr richtig!) Die 'Herren, die vorhin „Sehr richtig!" riefen, werden anders darüber denken (Heiterkeit und Sehr richtig!), ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie die Beifalls- oder Mißfallens-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.