Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 104 (sequence 7)
- Language
- German
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104 Im deutschen Reich. drängt und von der Wache zerstreut. Da man aber noch über die bewußtlos am Boden liegenden Juden mit Stockhieben Hersiel, mußte die Polizei mit gezogenem Säbel die Verwundeten schützen. Von der Unitas, deren Mitglieder in der ersten Reihe standen, ist keiner ohne Verwundung davongekommen; die ersten Reihen der Deutsch-Nationalen waren aber fast noch ärger zugerichtet, sie konnten aber ihre Verwundeten zurückziehen, was den jüdischen Studenten wegen des Druckes von beiden Seiten nicht möglich war. Und der Erfolg? Der Rektor erklärte in seinem Manifest, daß die organisierte deutsche Studentenschaft an den Vorgängen nicht beteiligt gewesen sei. Wir können uns jeder Bemerkung über diese traurigen Erscheinungen enthalten: sie kennzeichnen hinreichend die einer jüdischen Minderheit gegenüber entwickelte arisch-antisemitische Tapferkeit! .— Der „Berliner Bolkszeitung" wird über eine in P o s e n am 14. Januar vor dem Kriegsgericht der 10. Division stattgehabte Verhandlung gegen einen j ü d i s ch e n H o b o i st e n berichtet: „Die Tatsachen, die in der Verhandlung zur Sprache kamen, beweisen, daß das Los mancher jüdischen Soldaten nicht beneidenswert ist. Der im zweiten Jahre dienende Hilfshoboist D u b l o w s k i von der ersten Kompagnie des 37. Infanterieregiments in Kr o losch in wird beschuldigt, mit Bezug auf die Unteroffiziere seiner Kompagnie in drch Fällen beleidigende Aeußerungen getan und einen Kameraden zum Ungehorsam angestiftet zu haben. Der Angeklagte bestreitet die ihm zur Last gelegten Straftaten und bezeichnet sich als das Opfer einer systematischen Hetze. Die allgemeine Mißstimmung gegen ihn habe nur darin feinen Grund, weil er Jude sei; in bezug auf seine beruflichen Leistungen stehe er den übrigen Kameraden von derselben Dienstdauer keineswegs nach. Gleich nach seiner Einstellung habe sein Mart y r i u m begonnen. Einmal sei er auf Befehl des Kompagniefeldwebels gänzlich entkleidet worden. Er sei durchaus sauber gekleidet und gereinigt, nach dem Marsche bei großer Hitze nur dnrchschwitzt gewesen. Bei geselligen Zusammenkünften habe man seine Herkunft verhöhnt. Oft wurde die ihm gehörige Trompete mit Sand gefüllt. Der Sergeant Moreinek habe ihm eines Nachts, als er be-