Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Berlin
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 103 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 103 akademischer Boden, und die um Schuh ersuchte Polizei erklärte das Gegenteil. Inzwischen wurden die ahnungslos in der Aula erschienenen jüdischen Studenten auf der Rampe halbtot geschlagen und die untenstehenden Mitglieder der jüdischen Verbindung, von der Wache festaehalten, mußten wehrlos zusehen, wie mau ihre Brüder mißhandelte. Nachdem endlich die ,,Deutsch-Nationalen^ die Rampe geräumt hatten, durchzogen sie truppweise die Straßen 'und überfielen dort jüdische Passanten. Ein Mitglied der „Jwria" stürzte, von dem Stockhieb auf den Kopf getroffen, bewußtlos und blutüberströmt zusammen. Die beiden Hauptangreifer wurden verhaftet, einer derselben sein Mitglied der Burschenschaft Rabenitein) dein Landesgericht, der andere dem Bezirksgericht eingeliefert. Einem Beschlüsse der Obmänner-Konferenz entsprechend suchten am nächsten Morgen 800 Jüdisch-Nationale vor den Deutsch-Nationalen in die Aula zu gelangen, fanden aber die Tore der Universität geschlossen und blieben auf der Rampe, allen Nichtjnden den Zutritt verweigernd. Der Kanzleidirektor, der sie um 8 Uhr unter Drohungen aufforderte, die Rampe zu räunren, mußte diese selbst verlassen. Eine Abordnung, bestehend aus den Senioren der vier Couleurs Juria, Kadimah, Maeeabäa und Unitas, beschwerte sich um 10 Uhr bei dem Rektor über die geschilderten Vorgänge und das Verhalten des Kanzleidirektors und erhi^t beruhigende Zusicherungen, wogegen sie die Räumung der Rampe versprach. Als der Senior der Unitas das Ergebnis dieser Besprechung der-augesammelten Menge mitteilte, wurde er mit Schneebällen beworfen und seine Rede von dem Geheul der Deutsch- Nationalen übertönt. Die jüdischen Studenten, die in Vierreihen abziehen sollten, sahen plötzlich ihre Reihen durch einen Keil von mehr als 7000 Deutsch-Nationalen durchbrochen, der das Spalier der Wache im ersten Ansturm überrannt hatte. Es kam zu einem erbitterten Stockgesecht, bei dem die Verwundeten bewußtlos ans dein Gewühl getragen wurden: von der Straße wurden Stinkbomben geworfen, sogar ein Schuß fiel, ohne daß die Polizei den Revolverhelden festnahm. Schritt um Schritt zogen sich die jüdischen Studenten zurück, als plötzlich bei dem lebensgefährlichen Gedränge das Rampengebäude in die Tiefe stürzte und mit ihm die Hälfte der jüdischen Studenten. Die Uebrigen wurden auf die Straße ge-