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Im deutschen Reich · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. 97

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-02-01
Page
97 (sequence 17)
Language
German
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IRI
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Umschau. 97 'Verurteilten vom Zaren sämtlich begnadigt, die Ankläger der Mörder und Plünderer aber gerichtlich verfolgt werden, ist solche Dankbarkeit nicht zu erwarten. An jedem Rubel, den Juden einem solchen Staate anvertrauen, oder den sie bei Finanzgeschäften mit ihm verdienen, kleben Blut und Tränen geauälter Glaubensgenossen. Nicht minder sollten sich deutsche Juden künftighin jeder sympathischen Kundgebung für Finland enthalten, für einen Staat, dessen Bewohner beständig über russische Unterdrückungsmaßregeln klagen, dessen Senat und Landtag unaufhörlich nach der Wiedergewinnung der Rechte des Landes streben, dessen Behörden aber gegen die Juden in einer Weise Vorgehen, die mit den finländischen Freiheitsbestrebungen nicht in Einklang zu bringen, sondern eine offenkundige Verhöhnung der Menschenrechte ist. Einige Tage vor Weihnachten erhielten zehn jüdische Familien in Helsingfors durch die Polizei die Mitteilung, daß sie entweder innerhalb sieben Tagen Finland verlassen oder ins Gefängnis wandern müßten. Dieses Schicksal droht auch noch andern in Helsingfors ansässigen Juden, denn 80 Familien sind.die Gesuche, im Lande zu bleiben, abgeschlagen worden. Die in Finland wohnenden Juden müssen jedes halbe Jahr für schweres Geld eine Aufenthaltskarte lösen, deren Verlängerung von dem Gutbefinden des Senats abhängt. Ihre Beschäftigung ist auf gewisse, in der Aufenthaltskarte vorgeschriebene Erwerbszweige begrenzt: ihre Kinder dürfen keine staatlichen Schulen besuchen. Im letzten Landtag ivar der Antrag eingebracht worden, die Juden mit der übrigen Einwohnerschaft gleichzustellen, aber dieser Antrag blieb, wie so vieles andere, unerledigt. Umgekehrt macht sich in den Handwerk- und Jndustriekreisen eine starke antisemitische Strömung geltend, und die Handelsgesellschaften richteten im Herbst an den Senat das Gesuch, erst durch Sachverständige eine Prüfung der Judenfrage vornehmen zu lassen, wobei sie sich aber gleich von vornherein gegen die Gleichberechtigung der Juden aussprachen. Die russischen Behörden tragen an diesem antisemitischen Treiben keine Schuld: daß

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