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Im deutschen Reich · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. 96

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-02-01
Page
96 (sequence 16)
Language
German
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'-b Im deutschen Reich. Seine Aeußerung habe keine beleidigende Absicht gehabt. Man könne ihn nicht einer antisemitischen Gesinnung beschuldigen. Von den österreichischen freisinnigen Politikern, die sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus wehren, aber es doch nicht über sich gewinnen können, die religiösen und rassenpolitischen Vorurteile abzustreifen, gilt leider wie von manchen ihrer Gesinnungsgenossen in andern Ländern das klassische Wort: „Es die kurzsichtigen Alldeutschen die Polen den Vorteil sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten!" Der unerwartete Ausgleich, den der von den Antisemiten wegen seiner jüdischen Abkunft stets mit Ungunst behandelte österreichisch-ungarische Minister der auswärtigen Angelegenheiten Aehrenthal mit der Tiirkei zustande gebracht hat, vernichtet nicht nur die Hoffnungen der Kriegslustigen in manchen Staaten und demütigt die Großmannssucht der Serben,^ sondern vereitelt auch die von dem russischen Staatsmann Jswolski geschmiedeten Pläne, die darauf hinausliefen, den Dreibund zu sprengen und unter Verdrängung des österreichischen Einflusses und der türkischen Suzeränität die Balkanstaaten in russische Satrapien umzuwnndeln. Die russischen Machthaber sind klug genug, ihre diplomatische Niederlage zu bemänteln, über die Erhaltung des europäischen Friedens ihrerseits eine gewisse Befriedigung kundzugeben und zu versichern, daß sie für die Gehässigkeit der Ausfälle großer russischer Blätter gegen Deutschland und Oesterreich nicht verantwortlich zu machen seien. Man weiß aber in Wien und in Berlin sehr genau, was von diesem plötzlichen Einlenken zu halten ist. Die Duma hat dem Finanzminister die Bewilligung für eine neue russische Anleihe zugestanden, offenbar in der Voraussetzung, daß es ihm gelingen werde, das Geld aus allen Kreisen Europas zu schöpfen. Jüdische Finanzmänner sollten dabei ihre Taschen zuhalten u n d die jüdischen Privatleute sich nicht wieder durch die hohen Zinsen und die leeren Versprechungen verlocken lassen, daß aus Dankgefübl für die Rußland gewährten Hilfsmittel die echtrnssischen Leute die Juden in Rußland besser behandeln würden. Von einem Staate, in dem die wegen Beteiligung an den Judenmassacres

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