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Im deutschen Reich · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. 91

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-02-01
Page
91 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 91 überhaupt ihrer Lache ftcherer wären, weshalb veranlaßten sie nicht Len braven Breslauer Prediger und vorzüglichen Kenner des a ch t e it Gebots, seine allgemein gehaltene Verdächtigung zu beweisen?" Daß der Breslauer Kenner des achten Gebotes gerade an der „Deutschen Lageszeirung" eine so leidenschaftliche Äerreidigerin gesunden hat, setzt die nicht in Grstaunen, die den Wettstreit des Bündlerblattes mit der „Staatsbürger-Zeitung" um die antisemitischen Palmen zu beobachten Gelegenheit haben. Wohl in dem Vorgefühl, daß es mit dem Breslauer Klienten wenig Glück haben wird, ist das agrarisch-antisemitische Organ von „Ritschte auf Nietzsche" gekommen und läßt sich Briefe über Friedrich Nietzsche nnb bas Judentum schreiben, in denen fast nur das wiederholt wird, was in den ältesten Ladenhütern aus dem scheinbar unerschöpflichen Lager eines bekannten Leipziger Berlages zu Nutz und Zrommen antisemitischer Gemüter ausgejpeichert ist und infolge mangelnden Absatzes zu wesentlich herabgesetzten Preisen veräußert wird. Daß ein Blatt wie die „Deutsche Tageszeltnng", das doch mit einem ländlichen Leserkreis rechnen muß, dein noch der alte Bibelglauben teuer i,t, sich unverfälschte rassenantisemitische Aeußerungen zu eigen macht und gegen die christliche Theologie eifert, „die das kirchliche Christentum ganz auf dem Boden des Alten Testaments aufgebaut hat", sollte wirklich die Konservativen überzeugen, daß bei einer solchen Pressevertretung nicht die Anhänger Nietzsches diesem Philosophen abwendig gemacht werden, sondern das fromme Gemüt ländlicher Leser entweder von der politischen Partei oder von ihren geistlichen Lehrern, die doch in ihrer Mehrzahl das Alte Testament anders bewerten als die „Deutsche Tageszeitung" sich abwenden muß. Dieses Agrarierblatt rühmt dem Verfasser des „Judentums in der Musik" Richard Wagner nach, vermutet zu haben, „daß Jesus n i ch t jüdischer, sondern arischer Abstammung w a r." In seiner Schrift „Religion und Kunst" habe Wagner gesagt: „Bleibt es mehr als zweifelhaft, ob Jesus selbst vom jüdischen Stamme gewesen sei, da die Bewohner von Galiläa eben ihrer unechten Herkunft wegen von

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