Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 92 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316782--18724-2341296- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Im deutschen Reich. den. Juden, verachtet waren, so' inögen wir dies gern dem Historiker überlassen/' Das Agrarierblatt hätte gut getan, dem Beispiele Richard Wagners folgend, diese Erörterungen einem Historiker zu überlassen, denn fast zu gleicher Zeit mit ihrer Beröfteutlichung berichtete die Tagespresse über einen am R Januar von den: Geueraldirttor der Lgl. Bibliothek, Geheimrat Prof. Dr. Adolf Haruaet gehaltenen Bortrag über „Bolksreligiou und Weltreligion", in dem der Redner als einen der „jchwersten Jrriümer" die Behauptung bezeichnete, Jesus sei Lein Jude gewesen. Harnact sagte: „G e r m a n i j ch e r Chauvinismus ist übel angebracht in geschichtlichen Dingen! Die gesamte Tradition weiß nichts davon, und doch hätten die Gegner ihn einfach damit abgetan, wäre der Davidide und Messias — nicht einmal ein Jude gewesen! Dies durchschlagende Argument fehlt vollständig; über die Quellen hinaus können wir nichts wissen; es ist auch gleichgültig, ob der Mann etwa einen Tropfen germanischem Bluts in sich trug oder ob er auch griechisch sprechen konnte. Es gibt in allen Nationen Menschen Gott sei Dank, die nicht einfach der Exponent ihrer Rasse sind." Für die Gedankenarmut der deutschen Antisemitenpresse liefert das deutlichste Zeugnis die mit ihrer „nationalen Tünche" grell kontrastierende Tatsache, daß sie beständig bei den Organen deutschfeindlicher Äunsemiten Anleihen macht. Oie hat die mit der Konitz-Affare verbundenen antisemitischen Märchen den ez echi scheu Anstiftern der Polna-Tragödie genau nachgebildet, vor und nach der Dreyfus-Sache ganze Spalten der „lübre Parole“ Drumonts abgeschrieben und später die Berherrlichungen der russischen Pogromisten und Beschönigungen der Untaten des „Schwarzen Hundert" der „Nowoje Wremja" nachgeschrieben, ohne irgend daran Anstoß zu nehmen, daß dieses russische Blatt fast täglich Ergüsse des giftigsten Deutschenhasses bringt. Ob die Organe Stöckers, „Staatsbürger-Zeitung" und „Reich", die antisemitischen Hetzereien der „Nowoje Wremja" direkt entlehnten, oder auf einem Umwege deur kongenialen „Deutschen Bolksblatt" des Wiener Antisemueu Berga n i nachdruckten, ändert daran wenig. Der von den Stöckerblättern am