Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 85 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. ItcBerfcfirtft „Frühlingsbeute" Ni111alinorbmärchcit verbreitete, hat neuerdings bei den „Hamburger Neuesten Nachrichten" Unterschlupf gesucht und gefunden. Nach einer Mitteilung der ..Amtlichen Mitteilungen des konservativen Vereins für die Provinz Brandenburg" hat Böckel kürzlich für die konservative Partei in beit Orten Ebers Walde, Reinickendorf und Pankow öffentlich gesprochen. Die vorsichtigeren Wortführer der antisemitischen Bewegung haben sich eben noch rechtzeitig in das konservative Lager gerettet, wohl wissend, daß mit dem radikalen Antisemitismus keine Geschäfte mehr zu machen sind. Wenn die -jetzigen Leiter der „Staatsbürger-Zeitung" von Zeit zu Zeit die Pückler-Tonart anstimmen, in der unbestimmten Hoffnung, die noch vorhandenen Radau-Antisemiten vor ihren Wagen zu spannen, machen sie sich einfach lächerlich, und sie müssen sich dann selbst überzeugen, daß das nicht mehr zieht. Noch einmal werden sie kaum einen so unsinnigen Artikel bringen, wie den ..Cherchez la femmein dem sie für alles Unheil in der Welt „die jüdische Fr a u" verantwortlich zu machen suchten, und die Leute, die leider nie alle werden, glauben machen wollten, das Judentum habe sich der jetzt in Paris hinter Schloß und Riegel befindlichen Frau Steinheil bedient, um den Präsidenten Felix Fanre, der nach der Phantasie' der „Staatsbürger-Zeitung" ein Antisemit gewesen sein soll, unschädlich zu machen. Daß die Fudenfrage mit solchen kindischen Gespenstermärcheu nicht zu lösen ist, leuchtet Männern wie Böckel, Döring und Mannes natürlich ebenso ein wie die Ansicht, daß zum Parteikampf ebenso wie zum Krieg führen, Geld gehört, bei dem antisemitischen Parteikampfe aber schon manches schöne Vermögen spurlos verwirtschaftet worden ist. Das treibt die „Soldaten der Fortuna" unwiderstehlich in das konservative Lager, zu den Antisemiten in Glacehandschuhen, bei denen für sie doch noch etwas zu holen ist. Rassendefekte in öen antisemitischen Organisationen haben einen fast unheimlichen Umfang angenommen. Der „antisemitische Volksbund", eine Gründung des Ghmnasial- Professors Or. Paul Förster, hat sein Dasein endgültig beschlossen. Der eigentümlichen Organisation, in der lange Zeit Hans v. Mosch eine Hauptrolle spielte, und seinem Organ,