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Im deutschen Reich · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. 86

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-02-01
Page
86 (sequence 6)
Language
German
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Im deutschen Reich. der ,,Deutschen Hochwacht", soll ein grober Vertrauensbrnch des Kassierers den Rest gegeben staben. In einer der letzten Nummern des Blattes findet sich in einer Briefkcstwnnotiz folgender entrüsteter Notschrei: „Warum beantworten Sie -acht unfern Brief? Als deutscher Mann haben Sie doch die Pflicht, den säubern Herrn festzustellen, der sich erdreistet stat, von Ihnen 19/20 Mark in unserm Namen einzuziehen. Sie staben doch ein ebenso großes Interesse daran, den Betrug aufzu decken, wie lim', weil Sie der Leidtragende sind. Heil. Perlag der „Deutschen Hochwacht". In der letzten Nummer des Antisemitenblattes fast dieses sich zu folgender betrüblichen Eröffnung genötigt: „Die Leser der „Deutschen Hochwacht", die in der Zeit vom 10. bis 19. November d.. I. ihre Beiträge durch die Post eingesandt haben, werden um ihre Adresse und die Höste der Summe gebeten. Der Empfänger stat das Geld nicht an mich ab geliefert. „Deutsche Hochwacht". Paul Wengel." Das steifst in richtiges Deutsch übertragen: der Kassierer h a t d a s Geld unterschlagen , oder weigert sich, es abzuliefern. Daß auch in anderen antisemitischen Organisationen eine ähnliche Wirtschaft geherrscht hat, geht auch daraus hervor, daß letzthin von der Strafkammer in Gießen der ehemalige Direktor Mickel und der frühere Kassierer Harth von der antisemitischen Genossenschaf t s k a s s e i n O b e r m o ck st ä d t wegen Untreue (§ 140 des Genossenschastsgesetzesst und zwar Mckel zu einem Jastw Harth zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Selbst ein'so unverfälschtes Antisemitenblatt wie die Magdeburger „Sachsenschau" spricht sich über diese Vorgänge entrüstet aus und bestätigt, daß im Laufe der letzten Jahrzehnte in Deutschland von leichtgläubigen Leuten in geradezu sinnloser Weise enorme Summen für Zwecke des politischen Antisemitismus geopfert worden sind. Von dem völligen Bankerott des radikalen Antisemitismus würde die jüdische Sache aber nur geringen Vorteil haben, weil diese Volkskrankheit infolge ihrer langen Dauer auch Kreise angesteckt hat, die antisemitisch sind, wenn sie sich auch dagegen verwahren, den antisemitischen Parteiorganisationen Zugerechnet zu werden. Solchen „vornehmen" Judenfeinden ist loeit schwerer beizukommen als den Antisemiten der Gasse — und der Gosse. Sie wirken bewußt

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