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Im deutschen Reich · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. 83

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-02-01
Page
83 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. päpstlichen Spital Santa Martha verpflegten sizitischeu stlüchtliilge besuchte, wurde er tut Namen des Papstes Dom Monsignore Miseiatelli begrüßt und traf bei dieser Gelegenheit auch mit denn Kardinal-Staatssekretär Merrp del Val zusammen, dem als Spanier eine völlig intransigente Gesinnung nachgesagt wird, der aber trotzdem den: jiidischen Bürgermeister versprach, dem Papste den Dank des italienischen Volkes für die den geretteten Sizilianern gewährte Gastfreundschaft zu übermitteln. Von dem Massenunglück aufs tiefste erschüttert, fand sich so fast die ganze Menschheit wie eine einzige Gemeinde zu gemeinsamer Trailer und menschenfreundlicher Hilfsarbeit zusammen. Aber solche Eindrücke verwischen sich raschder Streit der politischen Parteien erhebt sich ilnmer wieder: imb der zeitweise unterdrückte Haß zwischen den Völkern, den Rassen und ben Klassen lodert aufs neue empor. Selbst, wenn wir als Juden dabei liicht direkt 51t leiden haben, berührt es uns schmerzlich, wenn die Humanität verleugnet und die Religion in öen VOahlfamgj hinein gezerrt wird. Die christlich-sozialen Epigonen, Stöckers, der als Vater des politischen Antisemitismus damit in Deutschland den Anfang gemacht hat, haben neilerdings auf diesem Gebiete bei ihren Wahlkämpfen selbst gegen christliche politische Gegner geradezir Erstaunliches geleistet und damit aufs neue bewiesen, daß der Antisemitismus Ziele verfolgt, die weit über die Bekämpfung der Inden hinansragen. Voll dem christlich-sozialen Generalsekretär Rüffer, der wegen grober Beschimpfungen eines zur nationatliberalen Partei gehörigen evangelischen Geistlichen zir sechs Wochen Gefängnis verurteilt wurde, schreibt das ,,Siegener Volksblatt": „Nicht die Tatsache des Preßvergehens an sich hat die Kritik herausgesordert, sondern die grelle Beleuchtung des christlich-sozialen Systems, die das Urteil hervorrief. Es ist allerdings recht charakteristisch, wenn ein Mann, der tagaus, tagein das Christentum im Munde führt, so wellig praktisches Christentum übt, daß er mit deur Strafgesetzbuch in Konflikt kommt." Der Kandidat der Christlich-Sozialen, Mm mm, für den Rüffer in die Bresche getreten ist, soll ilach den Darlegungen liberaler Organe in bezug auf das Hineinzerren der Religion in den Parteistreit bei den Wahl-

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