Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Russische Paßvorschriften
- Date
- 1909-02-01
- Page
- 77 (sequence 4)
- Language
- German
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R u ssif ch e Paß uv rsch r i f te u. 77 [ei, und der Staatssekretär des Auswärtigen, Root, hat erklärt, daß er auf das energischste dafür eintreten werde und bereits in Unterhandlung mit der russischen Regierung stehe, daß die Paßvorschriften abgeündert werden. Aber abgesehen davon, hat Deutschland ja schließlich nicht darauf zu warten, was andere Staaten tun. „Deutschland in der Welt voran" jo hieß ja das stolze Wort! Meine Herren, ich empfehle aus allen diesen Gründen den Antrag der Ostpreußischen Kammer zur Annahme, daß der Aerztekammer-Ausschuß durch den Herrn Minister der Medizinalangelegenheiten eine Eingabe an den Herrn Reichskanzler richten möge, in der dargelegt wird, daß die rusftjchen P a ß v o r s ch r i f L e n den Geist mittelalterlicher Rückständigkeit atmen, aber nicht den Geist moderner Kultur, daß in einer Zeit, von der man sagt, sie steht im Zeichen des Verkehrs, diese urvorweltlichen Paßvorschriften so schnell wie möglich den Weg des alten Papiers gehen sollten, und daß wir vom Kanzler des Deutschen Reiches erwarten, daß er die Rechte einer großen Zahl unbescholtener deutscher Bürger, denen demütigende Ausnahmebeftimmungen vom Auslande oktroyiert sind, wahrnimmt, indem er in bezug auf die russischen Paßvorschriften Herrn Stolypin möglichst eindringlich auffordert: Werft das Scheusal in die Wolfsschlucht!" Lebhafter Beifall folgte dieser Rede, und dann nahm die Kammer den Antrag e i n st i m m i g an. Derselbe Antrag ist bereits vorher von der Aerztetammer für die Provinz Westpreußen in der Sitzung vom 19. Oktober 1908 angenommen worden, nachdem der Referent, Sanitätsrat Or. M a y e r - T h o r n in seinen Ausführungen daraus hingewiesen hatte, daß die Angelegenheit durch einen krassen Einzelfall sowie durch ein Schreiben des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ausgerollt worden sei. Dabei betonte der Referent, daß es hoffentlich nunmehr gelingen werde, einer: Zustand aus der Welt zu schaffen, der in ärztlichen Kreisen großen Mißmut erregt habe. — Am 9. Dezember verhandelte die Aerztekamm er für die Provinz Schlesien über denselben Gegenstand. Wir entnehmen dem uns zugegangenen Berichte das folgende: