Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / Roth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 50 (sequence 6)
- Language
- German
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50 Jrn deutschen Reich. habe er dies nicht gekonnt. — Herr Rechtsanwalt Roth gab dann der Meinung Ausdruck, daß die Proteste gegen das Verhalten des Justizrats Lövinson nicht auf seine Abstimmung als Privatmann, sondern auf seine Stellung in beiden jüdischen Organisationen zurückzusühren seien. Herr Professor vr. Le Win erklärte, daß die stattgehabte Debatte nicht ohne Nutzen für die Zukunft sein und jedem Juden es verleiden würde, Täuflingen zu Ehrenstellen zu verhelfen. Da die Rednerliste erschöpft war, bezeichnete der Vorsitzende in seinem Schlußwort als das Erfreulichste aus allen gehörten Aeußerungen das, was Herr Dr. Hildesheimer in tiefempfundener Weise gesagt habe. Der Beifall, den seine Worte gefunden, bürge dafür, daß man sich jetzt und künftig im Central-Verein davor hüten werde, der Welt das Schauspiel der Zersplitterung zu geben und über Männer, die um das Judentum sich wohlverdient gemacht hätten, wegen eines Einzelverhaltens im politischen Leben leichthin den Stab zu brechen. Er danke Herrn Or. Hildesheimer für diese Ausführungen, die auch den Standpunkt aller derjenigen Vorstandsmitglieder Wiedergaben, die in diesem Falle ein anderes Verhalten für richtig gehalten hätten. Dies könne für den Vorstand und den Verein kein Anlaß sein, auf die weitere Mitarbeit einer solchen Persönlichkeit zu verzichten. Was Justizrat Lövinson für den Central-Verein während einer langen Reihe von Jahren geleistet habe, sei so bedeutend, daß der Verein allen Grund habe, sich eine solche Kraft zu erhalten. Die Angriffe gegen den Vorstand des Central-Vereins seien im Verlaufe des Abends unter den Tisch gefallen. Ob die Verleumdungen deshalb zum Schweigen gebracht würden oder nicht, sei gleichgültig. Wer ein gutes Gewissen habe, dem seien die Dichterworte gegenwärtig. Q£cnu <s(je Lästerzunge sticht. So laß es dir zum Tröste sagen: Die schlechtsten Früchte sind es nicht, An denen Wespen nagen! Herr Rechtsanwalt Roth hat am Tage nach dieser Versammlung an Herrn Fustizrat Dr. Hör Witz . ein Schreiben gerichtet, dessen Wortlaut wir mit Genehmigung des Absenders hier veröffentlichen: