Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / Roth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 48 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. organs „Jur deutschen Retch" ein Eingesandt des Justiz rats Lövinson Ausnahme gefllndeu habe; er wollte darin einen Beweis dafür erblicken, daß der Vorstand doch nicht dem Grundsatz der Neutralität völlig treu geblieben sei. — Hierauf ergriff Herr l)r. Hirsch Hildesheimer das Wort und bemerkte, daß man dem Vorstand dankbar sein müsse, daß er seinen Mitgliedern unaufgefordert Gelegenheit gegeben habe, sich über die bedauerlichen Vorkommnisse auszusprechen. Das sei der beste Beweis dafür, daß der Vorstand in dieser Angelegenheit ein gutes Gewissen habe. Er, Redner, brauche nicht zu versichern, daß er für einen getauften Juden nicht das allergeringste übrig habe, und daß über den Uebertritt Mugdans und die Art, wie die „Erleuchtung" über ihn gekommen sei, kein Wort zu verlieren nötig sei. Man könne aber bei dieser Gelegenheit nicht unbeachtet lassen, wie sich der Wahlkampf abgespielt habe und gegen wen man Wegen dieser Vorgänge so heftige Angriffe richte. Man werde ihm hoffentlich keine Voreingenommenheit vorwerfen, wenn er zur Ruhe, zur Besonnenheit und zur Gerechtigkeit ermahne, wenn er'bedaure, daß in der Debatte harte Worte gefallen seien, die, wenn sie nach außen dringen, der guten Sache sehr schaden könnten. Man müsse doch auch die Tatsache berücksichtigen, daß unter die Wahlaufrufe u. a. die Namen Lövinson und Sonnenfeld gesetzt wurden, ohne daß beide Herren gefragt worden seien. Rechtsanwalt Sonnenseld sei in der Versammlung nicht anwesend: aber gerade deshalb wolle er daran erinnern, mit welcher Hingebung und Selbstlosigkeit Rechtsanwalt Sonnenseld vielfältig z. B. in der Konitzaffäre sich als treuer Jude eingesetzt habe. Er betone ferner, daß er mit Justizrat Lövinson freudig auf vielen Gebieten zusammen gearbeitet habe, bei denen es galt, jüdische Rechte und die religiöse Ehre des Judentums zu wahren. Das solle nun alles ausgewischt sein wegen eines Einzelfalles, bei dem in einem politischen Konflikt beide um das Judentum so verdiente Herren vielleicht nicht ganz so gehandelt hätten, wie es der Mehrheit der Versammlung und ihm selbst erwünscht gewesen sei? Einen Ueberfluß von solchen Intelligenzen, von Männern, die so mit Hingebung und Erfolg seit Jahren für das Judentum arbeiten, hätten wir doch wahrlich nicht, daß wir leichten Herzens glauben könnten, sie entbehren zu können!