Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / Roth
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 Jrn deutschen Reich. herzlich dafür, daß er ein lebensvolles Bild Moritz Veits gezeichnet habe, der ein echter deutscher Jude, in jeder Beziehung würdig war, den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens als Vorbild zu dienen. Nach kurzer Pause nahm der Vorsitzende wieder das Wort, um zu versichern, daß unter dem tiefen Eindruck des gehörten Vortrags wohl der allgemeinen Empfindung nach die Versammlung eigentlich geschlossen werden sollte, daß dies aber leider untunlich sei, weil der Vorstand die erste Zusammenkunft zahlreicher Mitglieder und Gäste in diesem Herbst nicht vorübergehen lassen könne, ohne sich sofort mit den Anwesenden über Vorkommnisse der letzten Zeit auszusprechen, da gehässige und verleumderische Angriffeeine baldige Klärung wünschenswert erscheinen lassen. Die aus verhältnismäßig unbedeutendem Anlaß von ganz vereinzelter Seite begonnenen und sich fortwährend steigernden Angriffe gegen den Vorstand und gegen ein einzelnes Vorstandsmitglied hätten sich schließlich so verdichtet, daß selbst bei wohlwollenden Mitgliedern eine bedauerliche Erregung hervorgerufen worden sei. Dem Vorstand habe es bisher an Gelegenheit gefehlt, über den Kern der Sache eine authentische Erklärung abzugeben; zunächst aber solle es dem zumeist angegriffenen Vorstandsmitgliede gestattet sein, sein Verhalten bei der Stadtverord-. neten-Stichwahl im 5. Kommunalwah lkreise öffentlich zu rechtfertigen. — Herr Justiz rat Dr. L ö v ins o n und der Vorf i tz e n d e des V o r st a n d e s gaben hierauf die im Leitartikel im Wortlaut mitgeteilten Erklärungen ab. An diese beiden Erklärungen knüpfte sich eine fast bis - zur mitternächtigen Stunde ausgedehnte erregte Debatte, au der sich zunächst Herr Professor Dr. C a r l Lew in, Herr Lax und Herr Rechtsanwalt Roth beteiligten, die teils das statutenmäßige neutrale Verhalten bei politischen Wahlen, in denen es sich nicht um eine antisemitische Kandidatur handelt, als unangebracht bezeichneteu, in dem Falle, wenn die Kandidatur eines getauften Juden in Frage komme, teils das Eintreten eines prominenten Vorstandsmitgliedes für einen solchen Kandidaten tadelten, bezw. auch die jüdischen Wahlberechtigten rügten, die alles hätten ausbieten müssen, um die Aufstellung eines abtrünnigen Juden zu verhindern. Hieraus betonte Herr Rechtsanwalt Harry Priester,