Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 30 (sequence 9)
- Language
- German
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30 Im deutschen Reich. und Ihre Glaubensgenossen meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein -tonnen." Soweit die,er Schutz czechischen Beamten übertragen war, die einer NaLionatitäL angehören, in der ärger als in irgendeiner anderen Religions- und Rassenhaß die Gemüter vielfach verwildert und bekanntlich den für den Antisemitismus typischen „Polna-Fall" ermöglicht haben, konnte dieser Schutz kein wirksamer sein. Wieweit jüdische Studenten sich in Prag ohne Not als Vorkämpfer des Deutschtums der voraussichtlichen Gefahr ausgesetzt haben, zwischen deutschen und czechischen Antisemiten ins Gedränge zu kommen und dem Czechenpöbel einen Vorwand zu bieten, in jüdischen Häusern ihrer Plünderungssucht zu frönen, ist schwer festzuftellen. Sicher ist, daß wenige Tage nach den huldvollen Kaiserreden Juden in Prag arg mißhandelt und die Synagogen im fünften Stadtteile nur durch eine starke Gendarmeriebewachung vor Verwüstungen bewahrt blieben. — In der Provinz kam es aber mehrfach (u. a. in Königinhof, Nachod und Jungbunzlau) während und nach dem Kaiserjubiläum zu schlimmen Ausschreitungen gegen die Juden und zur Plünderung jüdischen Eigentums. Ueberall zeigte es sich aber auch, daß die antisemitischen Ausschreitungen nur die üblichen Begleiterscheinungen der antimonarchischen und anarchistischen Strömungen im Volksleben waren und daß die czechischen kaiserlichen Beamten nur widerwillig gegen ihre rebellischen Landsleute ihre Pflicht erfüllten. Die Vorgänge in Böhmen find charakteristisch für die zerstörenden Wirkungen der antisemitischen Bewegung; wie dort, so richtet sich diese überall zwar zunächst gegen die Juden, aber überall beschränken sich die aufgewiegelten Massen nicht auf die Mißhandlung dieses nahezu wehrlosen Bestandteils der Bevölkerung, sondern empören sich immer gegen das gesamte deutsche Element und gegen die ihnen trotz ihrer Segnungen antipathis che deutsche Kultur. Die russische Presse ist, soweit sie dem Antisemitismus dient, durchaus deutschfeindlich; sie hat auch aus Anlaß der böhmischen Krawalle den Wunsch nicht verhehlt, daß eine deutsche Aktion wegen der Verletzung von vier Reichsdeutschen zur Lockerung des Dreibundes führen möchte. Aber nicht minder als die russischen Judenfeinde sympathisieren die radikalsten deutschen Antisemiten mit den Czechen, die ihnen seinerzeit in Polna das genaue