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Im deutschen Reich · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. 31

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-01-01
Page
31 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 31 SchemafürdasKonitzerRitualnrordnrärchen geliefert, in München und anderen Orten als bejubelte Gäste in antisemitischen Versammlungen geholfen haben, harmlosen Gemütern das Gift des Rassen- und Religionshasses einzuimpfen. Daß jetzt die zeitweiligen Kundgebungen deutscher antisemitischer Kreise gegen die czechischen Rebellen nicht allzuernst gemeint sind und selbst antisemitische Unterstützungen der in Böhmen und Mähren fortwährend bedrohten Deutsch- Oesterreicher vorwiegend nur dazu dienen werden, diese weiter in die antisemitische Sackgasse zu treiben, in der das Deutschtum in Oesterreich vollständig zersplittert und der fremden Nationalität preisgegeben worden ist, wird niemand bezweifeln, der die traurigen inneren Fehden der Deutschen jenseits der schwarzgelben Pfähle aus eigener Anschauung kennen gelernt hat. Auch in Angarn machen sich wieder antisemitische Elemente in einer Weise geltend, die einer Verachtung der staatlichen Ordnung recht ähnlich sieht. Die königliche Kurie des obersten ungarischen Gerichtshofes hatte kürzlich den in einer kleinen Gemeinde bei Preßburg wirkenden römisch-katholischen Pfarrer Koczurek zu zwei Wochen Gefängnis und zu 200 Kronen Geldstrafe verurteilt, weil dieser Pfarrer öffentlich von der Kanzel herab seine Gemeinde aufgefordert hatte, die Unterzeichnung der staatlichen Matrikel zu verweigern. Dieses Urteil, das jedem gerechtfertigt erscheinen wird, der die Meinung hegt, daß die Autorität des Staates und seiner Gesetze auf alle Fälle gewahrt werden muß, hat die klerikale Volkspartei in Ungarn zu einem Vorstoß gegen die Zivilehe veranlaßt. 24 Abgeordnete dieser Partei haben dieser Tage einen Aufruf „an die gesamte katholische Welt Ungarns" gerichtet, daß künftig sowohl die die Ehe schließenden Parteien wie die Zeugen am Standesamt die Matrikelunterschrift verweigern, sich also gegen die Zivilehe direkt auslehnen sollen. Es ist leicht möglich, daß sich aus dieser sensationellen Aktion der 24 Abgeordneten, die einer Aufreizung gegen die Staatsgesetze gleichkommt, eine Kette von Schwierigkeiten für das Ministerium Wekerle ergeben wird, die dessen Sturz bedeutend beschleunigen könnten. Wie verlautet, unterhandelt der

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