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Im deutschen Reich · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. 24

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-01-01
Page
24 (sequence 3)
Language
German
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Im deuhchen Reich. kichere Freiheiten fast ebenso vornmrts gehl, wie bei der Springprozession in Echternach - immer zwei Schritte vorwärts und einen Schritt zurück. Der Begründer der Städteordnung, Freiherr von Stein, erklärte vor hundert Jahren: „Soll die Nation veredelt werden, so muß man dem unterdrückte n T e i l d e r s elbe n Freiheit, Selbständig teil und Eigentum geben und ihr den Schutz der Gesetze angedeihen lassen." Fast unmittelbar nach der freisinnigen Regelung der Städteordnung bahnte dann Steins Mitarbeiter, A r e i Herr v. Hardenberg, jene Staatsreform an, deren Folge das den Juden gleiches bürgerliches Recht iriit den Christen gewährende Edikt vom 11. März 1812 war, bei dessen Beratung Hardenberg die denkwürdigen Worte sprach: „Ich kann kein Gesetz über Juden billigen, das mehr als vier Worte enthält: „G l e i ch e R e ch t e, g l e i ch e P s l i ch t e n." Schon fünf Jahre vorher hatte Hardenberg in einer Denkschrift über die „Reorganisation des preußischen Staates" sich wie folgt geäußert: „Jede S t e l l e i m Staat, ohne A u s n a h m c , s e i nicht dieser o d c r j e n e r K a st e, sondern dem Verdien st e und der Geschicklichkeit und Fähigkeit ans alle n S t ä n d e n o f f e n. Bei keinem, er sei noch so klein, noch so 'gering, töte der Gedanke das Bestreben: dahin kannst du bei dem regsten Eifer, bei der größten Tätigkeit, dich fähig zu machen, doch nie gelangen. Keine Kraft werde im Emporstreben zum Guten gehemmt." Es ist bekannt, wie wenig diese Mahnung gefruchtet hat, wie energisch vielmehr die Männer der „Heiliger! Allianz" zu Ungunsten der von Stein und Hardenberg versprochenen gesamten bürgerlichen Freiheiten das Rad bald rückwärts drehen durften, wie dann in den Jahren 1830 und 1848 wieder einige Fortschritte gemacht wurden, hieraus abermals wieder eine heftige Reaktion einsetzte —, ein Schauspiel, das bis in die allerneueste Zeit Wiederholungen gefunden hat, die gewiß nicht die deutschen. Juden allein zu beklagen haben. Wenn jetzt gesinnungstüchtige Juden vor den Denkmälern Steins und Hardenbergs stehen, summen sie vielleicht Uhlands Worte vor sich hin: „Wenn heull ein Geist herniederstiege usw." Sind wir doch wirklich herrlich weit gekommen,- wenn es wahr sein sollte, daß hundert Jahre nach Hardenbergs lapidaren Worten wieder ein Erlaß ausgegrabeu

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