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Im deutschen Reich · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. 19

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Prof. Dr. Strack über den Antisemitismus
Date
1909-01-01
Page
19 (sequence 5)
Language
German
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Antisemitismus. 1* Als ein weiterer antisemitischer Angriffsgegenstand ist der Talmud zu erwähnen. Es ist durchaus nichts Wahres an den Behauptungen, daß die Juden durch alle möglichen Mittel den Talmud geheim zu halten suchen, und es als ein todeswürdiges Verbrechen erklären, wenn ein Jude seinen Inhalt offenbart. Die von Juden verfaßten Schriften über den Talmud (Erklärungen, Nebersetzungen ganzer Traktate usw.) sind in großer Zahl in allen europäischen Sprachen vorhanden. Als Beweis dafür, daß die Christen bezüglich eines wissenschaftlichen Urteils über den Talmud nicht auf das angewiesen sind, was ein Jude für geeignet hält, ihnen mitzuteilen, erwähnt Strack, daß er 1887 eine Einführung in den Talmud verfaßt habe, ohne die kleinste Auskunft von Juden oder getauften Juden verlangt oder erhalten zu haben. Der Talmud enthält nichts, was ein sachkundiger christlicher Gelehrter nicht entdecken könnte. Gegen den „Schulchan Aruch", den von Joseph Karo (gestorben 1575) verfaßten „Ritualkodex", ist 1883 von dem Proselyten Aaron Briman unter dem Schriftstellernamen Or. Justus in dem „Judenspiegel" ein fanatischer und verleumderischer Angriff gerichtet worden. Dagegen erschienen eine gedankenreiche, nur etwas zu günstig für die Juden gefärbte Abhandlung von D. H'offmann und eine nach beiden Seiten der Frage hin gründliche Erörterung von G. Marx-Delman: „Jüdisches Fremdenrecht, antisemitische Polemik und jüdische Apologetik." Die Karaiten (eine bedeutende jüdische Sekte) haben mit den Talmudisten jederzeit in Fehde gelegen. Hätten die Talmud-Juden in ihrer Gesamtheit oder in einzelnen Sekten irgendeine gemeinschädliche oder sonst für die Christen anstößige Anordnung oder einen Blutritus, so würden dies die Karaiten sicher verkündigt haben; gäbe es Aehnliches bei den Karaiten, hätten es die talmudistischen Juden gewiß nicht verschwiegen. Einen weiteren Angriffspunkt gegen die Juden bildet das Ko l-N i d r e- G e b e L, durch das die Juden am Vorabend des Versöhnungstages nur alle Gelübde, die sie sich selbst auferlegt haben, als ungültig erklären, was aber keineswegs auf Eide Bezug hat, die sie andern leisten (Strack bezieht sich hierbei auf eine Abhandlung von M. Schloessinger). Eine höchst närrische Anklage, die aber trotzdem in West--

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