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Im deutschen Reich · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. 13

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Zu Eduard Laskers 25jährigem Todestag
Date
1909-01-01
Page
13 (sequence 7)
Language
German
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Zu Eduard Lusters 2.3 j übrig ein Todestag. 12 für soziale Gerechtigkeit sagte ihm, daß der Staat sich nicht auf den Schutz politischer Rechte beschränken dürfe. Mit Fiebereifer griff er die Idee des Krankenkassengesetzes auf, dessen Zustandekommen sein hervorragendes Verdienst ist. Gerade diese Riesenarbeit, der sich der kaum Genesene ohne Schonung unterzog, hat ihm den Tod gebracht. So hat er auch hier weiter geblickt als die meisten seiner Parteifreunde. Trug doch die Verständnislosigkeit für die soziale Aufgabe des Staates wesentlich zum Niedergange des Liberalismus bei. Zur vollsten Entfaltung aber kam Lasters reiche Persönlichkeit auf seinem eigensten Gebiete, dem Gerichtswesen: Schutz des einzelnen gegen Irrtum oder Willkür, Schutz der Minderheit gegen die Mehrheit, Schutz des Rechts gegen die Macht. Uebcran, wo das Recht gebeugt ward, steigere sich der Zorn des maßvollen Mannes zur Leidenschaft. Ein politischer Gegner hat anerkannt, daß „der Abschluß der Justizgesetze, der Rechtseinheit Deutschlands, in erster Linie Lasters überzeugender und tatkräftiger Initiative zu danken ist/" Und wenn man seine Politik eine „Politik der Kompromisse" oder eine „Politik der Amendements" nennen kann, so hat er keiner Sache ein solches Opfer gebracht, wie. dem Justizgesetze. Die „Bolkszeirung" verhöhnte Laster: „Das kleine Opfer, die Presse, ist nur ein Ueberzeugungsopfer, wir weihen ihm eine Träne nach und erheben um so lauter unseren Freudeuruf, je höher unser -Opfermut sich bewiesen hat." Laster war damals der von der Fortschrittspartei bestgehaßte Mann. Aber bald nahte auch für die Gegner die Zeit der Erkenntnis, daß in solchen Stunden schweren inneren Ringens nicht die Schmeichelei der Herrschenden, sondern eine über der P a r t e i r ü ck s i ch t st e h e nd e V a t e rlandslie6e das Leitmotiv Lasters gewesen war. Es ist kein Zweifel, daß Laster in der Macht geblieben wäre, wenn er die Wendung der Dinge, die er übrigens als einer der ersten voraussah, mitgemacht hätte, und daß Blsmarck nur darum seinen Haß gerade auf i h n konzentrierte, weil er ihn als den am wenigsten Wandlungsfähigen erkannte. „Es gibt keinen, der mir in solchem Maße das Regieren erschwert hätte." Als man. einen anderen nationalliberalen Freihändler damals auf Bismarcks Soiree fragte, wie er bei den Getreidezöllen stimmen würde, antwortete er: „Ich kam: für mich nicht mehr ein stehen/'

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