Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Zu Eduard Laskers 25jährigem Todestag
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 14 (sequence 8)
- Language
- German
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4 Im deutschen Reich. Laster'-aber'könnte es, und das nannte man „doktrinär" und nennt es wohl auch heute so. Uns deutschen Staatsbürgern jüdischen G l a u b e n s erfüllt es mit Stolz-, daß ein Jude zu den hervorragendsten deutschen Staatsbürgern gehört, daß er in dem dem großen Jahrzehnt, in dem Deutsch ands Einheit begründet und aufgeb-aut wurde, an entscheidender Stelle gestanden hat, daß er unter den, wie wiederum ein Gegner (Gneist), sagte, „in glücklicher Zeit wirksamsten SMrntcnt Deutschlands genannt wird." Wir müssen uns hier aber auch di e Frage vorlegen, wie weit dieser Einfluß, wie ihn ähnlich in Deutschland nie ein Jude besessen hat, seinen Religionsgenossen zugute gekommen ist. Daß die Rede gegen den Gründerschwindel den Antisemitismus verschuldet habe, wird jeder, der sich mit den Ursachen der rückläufigen Bewegung vertraut gemacht hat, als oberflächliche Auffassung erkennen. Um wieviel willkommener wäre es unseren Gegnern, wenn jene Unredlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorzugsweise in unserer Mitte, der zornige Ankläger aber in ihren Reihen zu finden gewesen wäre? — Laster hat in jüdischen Fragen nur bei kleinen Gelegenheiten, die rein geschichtliches Interesse bieten, das Wort ergriffen. Von größerer Bedeutung war die jüdische Gemeindeverfassnng. Hier hat er in einer, seinem Idealismus zwar wohl anstehenden, aber die praktischen Bedürfnisse der auf sich selbst angewiesenen Minderheit nicht berücksichtigenden Weise die Initiative ergriffen. ' - Als die tot geglaubte „Schmach des Jahrhunderts" ihr Haupt erhob, haben wir Worte der Entrüstung, wie sie ein Börne und ein Riesser für unsere Sache bereit hatten, von ihm nicht gehört. Dies darf. aber nicht als Gleichgiltigkeit, sondern muß als philosophischer Gleichmut ausgelegt werden. War doch er selbst, der an der Spitze der deutschen Juden stand, wie kein zweiter der Zielpunkt dieser hetzerischen Bewegung. Als Berthold Auerbach, Tränen in den Augen, nn Lasters Stube trat mit den Worten: „69 Jahre bin ich geworden, und meine Arbeit hat nur dem deutschen Volke gegolten, und nun mußte ich als Mann mit weißen Haaren eben erleben, daß man mir in einer Berliner Restauration „Hepp-Hepp" ruft", da antwortete Laster: „Wollen Sie einem Kranken einen Vorwurf daraus machen, daß er