Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Zu Eduard Laskers 25jährigem Todestag
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 12 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316781-2341066--18591-2341132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Im deutschen Reich. Milirärsrage darf nicht das StichworL-der nächsten Wahl sein." In demselben Sinne und mit demselben entscheidenden Erfolg gab Laster den-Ausschlag, als die Begründung einer Kriegsmarine für das neue Reich in Frage stand. Das Bedürfnis nach einer solchen war zu sehr in die Augen springend, als daß irgendeine nationale Partei sich dieser Einsicht hätte verschließen tonnen; aber die Fortschrittspartei wollte die hierzu erforderlichen Mi.tel wiederum nicht ohne parlamentarische Garantien für deren Verwaltung hergeben: auf diesem berechtigten Standpunkt, von dem Bismarck nun einmal nichts wissen wollte, standen geschlossen auch die Nationalliberalen. Da brachte die Regierung einen Vermitttungsantrag zwecks provisorischer Regelung ein. Alles hing von dem Verhalten der Nationalliberalen und bei dieser Frage naturgemäß zunächst ihres linken Flügels ab. „Wenn ich", sagte Laster, „nur die Wahl habe zwischen der Schädigung des Vaterlandes und dem Aufgeben eines Freiheitsrechts, so stimme ich heute und werde stets so stimmen für das Vaterland." Ebenso hat nach dem Jahre 1870 bei Schöpfung der Reichsverfassung, dem Ausbau der Mili.är- und Marinegesetzgebung Laster in erster Linie gestanden. Neben diesen Fragen des inneren Berfassungslebens und der Rüstung nach außen, die für die Vollendung der Einheit von unmittelbarer Bedeutung waren, stehen die großen, teils der Initiative, teils der entscheidenden Mitwirkung Lasters entsprungenen Werke, vor dem Jahre 1870: die Koalitionsfreiheit, die Gewerbefreiheit, das Strafgesetz, nach 1870 die Berkehrsfreiheit, die Justizgesetze, welche, wenn wir von ihrem Eigenwerte absehen, durch ihre unmittelbare Bedeutung für den Einheitsgedanken jenen oben genannten nicht nachstehen. Die einen gehören in das Gebiet der sozialen Frage, die anderen sind eine Frage des Rechts. Damit haben wir gleichzeitig die beiden großen Interessensphären bezeichnet, die im Mittelpunkte alles inneren staatlichen Lebens und gleichzeitig im Mittelpunkte der Person Lasters stehen. Während Laster für die Koalitionsfreiheit eintritt, warnt er gleichzeitig, den Arbeitern zu sagen, daß sie Anspruch auf Geschenke vom Staate hätten, ohne das Entsprechende geleistet zu haben. Andererseits hat er früher als sonst irgendein Liberaler, sich vom einseitigen Manchestertum losgemacht: Ein tiefes Empfinden