Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Zu Eduard Laskers 25jährigem Todestag
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 10 (sequence 4)
- Language
- German
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10 Im deuLscheu Reich. Bismarcks im Augenblicke seiner höchsten Popularität, woran natürlich der König ebenso wenig wie Bismarck selbst denken durste, oder Fortsetzung der Reaktion und des verhaßten budgetlosen Regiment. Dann wäre von einem norddeutschen Bund, noch viel weniger von einem Anschluß der Südstaaten die Rede gewesen. Gewiß war die Erkenntnis dieses Zwanges und nicht etwa eine gutmütige Anwandlung der Grund, welcher Bismarck damals zur Versöhnlichkeit bestimmte. War dieser Grund aber nicht ebenso sehr maßgebend für Laster, der doch in Bezug auf die Größe des Vaterlandes nichts anderes wünschen konnte? Zur Vollendung des Reiches war die Macht der Regierung ebenso unentbehrlich wie die innere Bewegung der Geister. Wie durchaus Laster das führende Element bei B?gründung der nationalliberalen Partei gewesen ist, mag an folgenden Daten klar werden. Er war es, der sich mit sechs anderen, bisher fortschrittlichen Führern zusammentat, um sein Verhalten vor dem Lande zu rechtfertigen. Der bezügliche Entwurf war von ihm verfaßt und fand bald einige 20 Unterschriften. Ein zweiter, gleichfalls von Laster redigierter Entwurf wurde an die Parteigenossen erlassen. Ebenfalls ist das Programm der am 27. Februar 1867 begründeten nationalliberalen Partei von Laster verfaßt worden. Demselben entnehmen wir folgende Worte: „Der deutsche Staat und die deutsche Freiheit müssen gleichzeitig und mit denselben Mitteln errungen werden. Es wäre ein verderblicher Irrtum zu glauben, daß das Volk, seine Fürsprecher und Vertreter, nur die Interessen der Freiheit zu wahren brauchen, die Einheit dagegen auch ohne uns durch die» Regierung aus dem Wege der Kabinetspolitik werde aufgerichtet werden." „Eine eindringliche Erfahrung hat uns gelehrt, daß nicht in allen Zeiten für dieselben Aufgaben mit denselben Waffen gekämpft werden darf. Wo so bedeutungsvolle und inhaltsschwere Ziele gleichzeitig zu erstreben sind, wie gegenwärtig in Deutschland und Preußen, da genügt es nicht, an hergebrachten Sätzen sestzuhalten und zugunsten einer einfachen und bequemen Tradition die neuen und mannigfachen Bedürfnisse unbeachtet zu lassen." Die nationalliberale Partei zählte in den neugewählten Land- und Reichstagen 100 bis 200 Mitglieder, . hatte allein zwar nicht ganz, aber nahezu die Majorität und be-