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Im deutschen Reich · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. 9

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Zu Eduard Laskers 25jährigem Todestag
Date
1909-01-01
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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Zu Eduard Lasters 25 jährigem Todestag. 0 rracht geführten Krieges sah er den uuversöhnöaren Interessengegensatz mit derselben Schärfe wie Bismarck vor Augen: „In Deutschland gibt es für die beiden Staaten keinen Ausgleichungsplan". Und 1866, zu einer Zeit, als der liberale preußische Kronprinz einerseits, der reaktionärste unter den preußischen Ministern, Bodelschwingh, andererseits den österreichischen Krieg als einen Bruderkrieg verabscheuten, sprach er den Satz aus: „Die leitenden Staatsmänner Oesterreichs werden nicht anders als durch das Schwert gezwungen, davon ablassen, die Oberhand Oestreichs in einem zerstückelten Deutschland als seine deutsche Mission zu betrachten. Unangebracht erscheint uns das Spiel mit Worten, welches jeden Krieg zwischen Oestreich und Preußen mit dem Namen eines Bruderkrieges belegt und mit den Schrecken eines Bürgerkrieges ausmalt." Laster war es, der gemeinsam mit Vincke und Twesten sofort für die nach dem Siege von Königgrätz eingebrachte Jn-demnitätsvorlage der Regierung eintrat. Die Annahme derselben, die das Zusammenarbeiten zwischen Bismarck und dem Liberalismus, also die liberale Aera, ermöglichte, ist für die neuere deutsche Geschichte von weitesttragender Bedeutung. Nur auf ihrer Grundlage war die Vollendung der Einheit denkbar: auf i hrer Grundlage baute sich ein Jahrzehnt beispielloser gesetzgeberischer Fruchtbarkeit auf, von welchem auch die folgende Reaktion nicht den kleinsten Teil auszutilgen vermochte. Auf ihrer Grundlage freilich erwuchs auch die noch heute fort und fort wirkende Ursache des späteren Rückgangs, die Zersplitterung des Liberalismus in einen linken und einen rechten Flügel und seine völlige Machtlosigkeit. Was damals diejenige Hälfte der Fortschrittspartei bestimmte, die nicht mitging, war wohl in erster Linie das Mißtrauen gegen den leitenden Staatsmann. Daß dieses von liberalem Standpunkte berechtigt war, hat die Geschichte bewiesen. Für Bismarck war die Freiheit nicht Selbstzweck, sondern er gab sie konzessionsweise, um für den Staat das zu erreichen, was nach Treitschke der Daseinszweck des Staates ist: Macht. Hier hat sich Laster vielleicht getäuscht, und' keiner hat wie er die Undankbarkeit des Staatsmannes erfahren. Hätte auch er und mir ihm die Majorität, die Indemnität verweigert, so waren zwei Möglichkeiten: der Rücktritt

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