Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Der Fall Mugdan-Richert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Jrn deutschen Reich. vr. Mugdan gestinrmt; einige haben auch für Herrn Professor Richert energisch agitiert. Der Vorstand, welcher den ohne Ueberzeugung erfolgenden G l a u b e n s w e ch s e l aus das schärfste verurteilt, bedauert, daß die in dem Bezirke wahlberechtigten Glaubensgenossen nicht rechtzeitig die Kandidatur eines getauften Juden zu verhindern vermocht haben. Dadurch sind viele unserer Glaubensgenossen in einen schweren Konflikt zwischen der Wahrung der Parteidisziplin und ihrer persönlichen Auffassung gebracht worden, der ihnen hätte erspart werden müssen. Auch das in der O eff entlief) feit viel erörterte Verhalten unseres um die Sache des Judentums überaus verdienten Vorstandsmitgliedes, des Herrn Justizrat Lövinson, findet seine Erklärung lediglich darin, daß er, nachdem seine Partei den Abgeordneten Mugdan einmal als Kandidaten proklamiert hatte, geglaubt hat, im Interesse der Partei seine persönliche Auffassung zurücktreten lassen zu müssen. — Wer sehen und der Wahrheit die Ehre geben will, wird im Interesse des Zusammenhaltens der Jüden in dem schweren Kampfe, den wir zu führen haben, von dem Vorstand nicht mehr als diese offene Erklärung verlangen können und wird wissen, was er von denjenigen zu halten hat, die — bestenfalls durch Parteifanatismus irregeleitet — Unfrieden stiften wollen. Ueber die Uneinigkeit in unseren Reihen werden sich die Antisemiten am meisten freuen. Wir haben auch die Genugtuung, daß ein großer Teil derjenigen unserer Mitglieder, die das Vorgehen des Herrn Juftizrats Lövinson für inopportun erklärt haben, durch dessen Erklärung vollkommen beruhigt worden l'iitb und ihrerseits die volle Uebereinstimmung mit den: Standpunkt des Vorstandes kundgegeben haben. Es hat sich in vielen Berliner Kreisen aus Anlaß dieser Wahl eine Nervosität eingeschlichen, die als äußerst bedenklich bezeichnet werden muß. Das erste, was in unserm schweren Kampfe zu verlangen ist, liegt in einer gewissen Gleichmütigkeit und Ruhe. Nur ein fester Boden gegenseitiger Verträglichkeit kann die Streitkräfte, die wir zum Kampfe gegen den Antisemitismus notwendig brauchen, in ' der erforderlichen Weise zusamrnenhalten. Eine Zersplitterung