Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Der Fall Mugdan-Richert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316781-2341065--18581-2341124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
deutschen Reich. 4 Vorstandes, welche für Herrn Professor Richert agitatorisch eingetreten sind*), lvaren der Ansicht, baß man, abgesehen von der Frage der taktischen Zweckmäßigkeit der Handlungsweise des Herrn Justizrats Di*. Lövinson, tu seinem Verhalten keineswegs eine unwürdige Handlungsweise erblicken kann. Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Herr Justizrat Lövinson irgendwie für Herrn Mugdan agitiert, insbesondere in Versammlungen für ihn gesprochen härte. Herr Dr. Kalisch hat in seiner Gegenerklärung daraus hingewiesen, daß ein Vorstandsmitglied des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, Herr Dr. Winter, zum Ausscheiden aus dem Vorstand veranlaßt wurde, weil er im Eisenacher Wahlkreise sich in der Stichwahl für einen Antisemiten ausgesprochen harte. Dieser Fall hat mit dem vorliegende;: nicht die geringste Aehnlichkeir; denn Herr Di*. Winter erklärte sich für einen Antisemiten. Herr Dr. Lövinson hat lediglich z u g e s a g t, einen: Kandidaten der Freisinnigen Bolkspartei seine Stimme zu geben. Nach alledem wird sich ein jeder überzeugen, wie ungerecht die Angriffe gegen den Vorstand gewesen sind. Wer jetzt n o ch b e h äugtet, der V e r e i n s v o r st a n d h a b e s i ch direkt oder indirekt, mitte l b a r oder u n m i 11 c l - b a r s ii r eine n T a nfjnde n e r k l ä r t o d e r verw a n d t, w i r d s i ch d e n B o r lv u r f d e r I n f a m i e gefallen l a s s e u m ü s s e n. Es ist b-eschäniend, daß Männer, die es angeblich mit den: Judentum gut meinen, so von der Wahrheit abweichen, wie es hier leider vorgekommen ist, und die politischen Leidenschaften so weit steigern können, daß sie jeden Blick für das Reale und Mögliche verlieren. In der letzten allgemeinen Versammlung in Berlin am 9. Dezember, deren Bericht an anderer Stelle veröffentlicht wird, wurde sowohl der Standst unkt des Herrn Justizrats Lövinson als auch der des Vorstandes durch folgende Erklärungen präzisiert.* ch Es sei nebenbei bemerkt, daß dies die überwiegende Mehrzahl derjenigen Vorstandsmitglieder war, die wegen der Lage ihrer Wohnung für die Wahl überhaupt in Frage kamen. Ja, ein Vorstandsmitglied, das außerhalb des Wahlbezirkes wohnte, bat sogar aus Gewissensrücknchten in. einem Flugblatt die Juden geaen die Wahl Mugdans ausgefordert. Wie grotesk ist also die Behauptung, der Vorstand baoe sich für Mugdan erklärt!