Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 696 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316766-2316778--18495-2341000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
696 Im deutschen Reich. Ich brauche diesen Verein nicht in Schutz zu nehmen; er schützt sich schon selbst. Er dient dem Schutze der deutsches! Bevölkerung und hat sich aus diesem Gebiete große Verdienste erworben/' Worin diese großen Verdienste bestehen — darüber hat sich der Minister leider nicht ausgelassen. Eine genauere Darlegung wäre deshalb sehr wünschenswert gewesen, weil unsere Versuche, von der Leitung des Ostmarkenvereins Schutz der deutschen Bevölkerung jüdischen Glaubens gegen Verletzungen durch Vertreter des Ostmarkenvereins zu erlangen, bereits vor Jahren uns von der Erfolglosigkeit derartiger vertrauensvoller Versuche überzeugt haben. „Der Ostmarkenverein" — darin hat der Finanzminister recht — schützt sich selbst." Er schützt wohl auch selbst solche Mitarbeiter seines offiziellen Organs, wie einen Herrn Fritz Braun-Marienburg, der in dem Heft 6 der „Ostmark" die Dreistigkeit harte, zu behaupten, er habe die Juden in der Provinz Posen früher für „Pioniere des Deutschtums" gehalten, sich aber später überzeugt, „daß sie, im Grunde genommen, nur schädlich wirken". Daß dieser Schützling des Ostmarkenvereins für eine so tiefverletzende Behauptung auch nicht den Schatten eines Beweises zu erbringen vermag, ist sicher, — daß er es auch gar nicht versucht — ist echt „alldeutsch", oder richtiger „antisemitisch". Mit solchen Werkzeugen das Deutschtum fördern zu wollen, ist ein vergebliches Bemühen. Wenn man der jetzigen Staatsverwaltung beständig die mächtigen Erfolge vorhält, die Kaiser Wilhelm I. und Fürst Bismarck sowohl in der inneren Politik als auch in der auswärtigen Politik erzielt haben, so sollte man nicht den Unterschied in der Auswahl der Männer für einflußreiche Stellen übersehen, wie sie damals erfolgte und wie sie heilte geschieht. Es gereicht beiden großen Männern zum unvergänglichen Ruhme, daß sie es verstanden, im rechten Augenblicke die rechten Männer an d e n re ch t e n Platz zu stellen. Sie hatten aber auch eine große Auswahl an willigen und tüchtigen Kräften, denen es zu Ungunsten nicht angerechnet wurde, wenn sie aus schlichtem bürgerlichen Hause, wenn sie etwa auch jüdischer Abstammung waren wie die Minister Friedenthal, Friedberg und Lucius. Kaiser Wilhelm 1. bevorzugte sogar in seiner nächsten Umgebung Männer, wie z. B. seinen bewährten Reisemarschall, Geh.-