Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 695 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 695 rung herbeiführen konnte, hat man z. B. wirklich keinen Grund, von einem etwaigen Rücktritt des preußi s ch e n K u l t u s - ininisters eine freisinnigere Verwaltung in diesem Ressort und insbesondere in der Schulverwaltung zu erwarten. So wenig das Kriegsministeriilm imstande zu sein scheint, den Antisemitismus im Heerwesen durch wohlgemeinte Erlasse zu bannen, dürfte auch ein neuer Kultusminister die Macht besitzen, in der Schulverwaltung eine Aenderung jenes Systems herbeizusühren, das dazu führte, über die Lehrer Brandan und Kimpel die höchstzulässigen Disziplinarstrafen deshalb zu verhängen, weil sie in der Stichwahl nicht für einen Antisemiten stimmen wollten, sondern sich der Abstimmung enthielten. Daß man im preußischen KulLusiuinisterium den anarchistischen Kern der antisemitischen Bewegung nicht erkennt und über den engen Zusammenhang zwischen dem chauvinistischen angeblichen „AtldeuLschentum" und dem Antisemitismus noch immer im unklaren ist, rnacht vieles erklärlich. Gerade diese Elemente sind es aber, die der (Ditmaxiert'politif unendlich nachteilig sind, weil sie dazu dienen, in den Oftmarken die Juden auszuschalten, die früher zwischen Deutschen und Polen friedlich vermittelnd wirkten, jetzt aber von der polnischen Bevölkerung als die treuen Anhänger der deutschen Sprache und Sitte angefeindet, von den „alldeutschen" Beamten gemieden oder gar verletzt, häufig gezwungen ihre Heimat verlassen und, wenn auch wider Willen, aus die undankbare Aufgabe verzichten, zum Stnrmbock wider das mächtig anwachsende Slaventum zu dienen. Als am 27. Oktober der Pole I)r. v. I a z d z e io s ki im preußischen Abgeordnetenhause die Frage auswarf: „Weshalb entsendet die Regierung nach unseren Orten immer wieder Beamte aus entfernten P r o v i n z e n,. die uns doch nicht kennen und sich mit der Bevölkerung nicht einmal verständigen können?" antwortete der Finanzminister v. Rheinhaben mit einer Entschuldigung der deutschen Beamten und mit einer Lobrede auf den O st m a r k e n v e r e i u. Er sagte: „Es ist behauptet worden, daß wir unsere ganze Kenntnis der ostmärkischen Verhältnisse aus den Berichten eines „ominösen Vereins, des O st m n r k e n v e r e i n s , schöpfen.