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Im deutschen Reich · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. 688

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Prof. Dr. Strack über den Antisemitismus
Date
1908-12-01
Page
688 (sequence 3)
Language
German
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688 Im deutschen Reich. das Heidentum die Uebermacht errungen hatte, hielten es die Kaiser wie später die Kirche für ihre Pflicht, den jüdischen Einfluß einzudämmen, damit die dem Christentum gewonnener: Heiden dem Christentum treu bleiben sollten. (Friede. Wiegand, „Agobard v. Lion und die Judenfrage".) Später erregte der durch Darlehnsgeschäfte erworbene Wohlstand der Juden die Habsucht der Christen, was bei dem ersten Kreuzzug (1096) und bei der Austreibung der Juden aus Frankreich durch Philipp den Schönen (1306) der Fall war. Religiöse Beweggriinde veranlaßten Judenverfolgungen bei dem Beginn des zweiten Kreuzzuges (1146) durch den Abt Peter von Clugny in Frankreich, durch den Mönch Rudolf in Mainz in Deutschland, ebenso bei der Austreibung der Juden aus Spanien (1492) und aus Portugal im Jahre 1497. In England hatte bereits im zwölften Jahrhundert der Grundsatz Ipsi judaei et omnia sua regis sunt Gesetzeskraft. (Hovedon, Annales II 231.) Die Juden gälten als Milchkuh der Könige; wiederholt wurden von ihnen enorme Summen verlangt, die sie sich nur durch Wucher verschaffen konnten, durch den die Juden sich den Haß des Volkes zuzogen. Man schmiedete Geschichten von Kindesmorden zur Osterzeit, um diesen Haß §it unbändiger Leidenschaft zu steigern. Im 13. Jahrhundert erschien diese Blutanklage zuerst in dieser verwerflichsten Form, d. h. daß die Inden Christenblut zu rituellen Zwecken brauchten (cf. H. Strack. „Das Blut" 126. 194). In demselben Jahrhundert erfolgten sehr heftige Angriffe auf den Talmud (cf. H. Strack. „Einleitung in den Talmud", p. 68). Die gegen die Juden gerichteten Anklagen der Brunnenvergiftung dürften zuerst im 12. Jahrhundert in Böhmen erhoben worden sein; häufiger im 14. Jahrhundert in der Schweiz, in Frankreich und besonders in Deutschland. In der ganzen Geschichte der Juden finden wir also häufig Beweise feindseligen Hasses, der Unterdrückung, Verfolgung, Austreibung und Tyrannei. Deshalb bildet in der Geschichte der Juden die französische Revolution die bedeutendste Epoche. Am 27. September 1791 erklärte die Nationalversammlung die Nichtigkeit aller ausschließlich gegen die Juden gerichteten Maßregeln. Die Konstitution des Jahres III (179D erkannte den Juden völlige Gleichberechtigung zu. Die folgende Gesetz-

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