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Im deutschen Reich · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. 689

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Prof. Dr. Strack über den Antisemitismus
Date
1908-12-01
Page
689 (sequence 4)
Language
German
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Antisemitismus. 689 gebung sowohl wie die Restaurationszeit brachten zwar den Juden wieder einige Einschränkungen, aber diese wurden durch die Julirevolution 1830 wieder beseitigt. Die elsässischen Juden erlangten die Gleichberechtigung später auch infolge der Bemühungen von Adolph Cremieux. Der Verlauf dieser Ereignisse in Frankreich blieb nicht ohne Einfluß auf Deutschland: vom Jahr 1799 erschienen daselbst eine große Zahl bezüglicher Schriften, teils zugunsten der Juden, teils gegen sie. (I. de le Roi, C. W. Grettenauer, O. G. Tychsen, Fried. Rühs, H. E. G. Paulus, Carl Streckfuß, Anton Theodor Hartmann.) Der Anfang der Regierung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der dem Ideal eines „christlichen Staates" huldigte, gab erneuten Anlaß zu Schriften über die Judenfrage. (H. E. Mareard und Bruno Bauer.) Durch das Gesetz vom 3. Juli 1869 wurde innerhalb des Norddeutschen Bundes die absolute Gleichberechtigung gewährt. Inn 8. Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts entstand aber der Antisemitismus aufs neue. (Vgl. I. de le Roi, Geschichte I 258—272; A. Leroy-Beaulieu „Israel chez les nations” 1893.) — Professor Dr. Strack zählt nun nicht weniger als neun Beweggründe für die Auffrischung des Antisemitismus auf, knüpft aber daran nachstehende Bemerkung: Wir können hier nicht genau untersuchen, inwiefern diese Gründe berechtigt sind, da sichtlich die Verhältnisse äußerst verschieden sind in den vielen Ländern, in denen sich zahlreiche Juden befinden. Bei vorurteilsloser Denkungsweise und sorgsamer Prüfung wird man unseres Erachtens gezwungen sein, einerseits anzuerkennen, daß Ursachen zum Widerstand gegen die Juden vorhanden waren, andererseits aber daß in großer Zahl der Neid auf den von einigen Juden erworbenen Wohlstand dabei einen ungeheuren Einfluß hatte, lAntisemitische Agitationsschriften von E. Wilmanns, W. Marr, Adolf Stöcker, H. v. Treitschke.! Einen großen Einfluß auf die ganze Bewegung übten zwei von Adolf Stöcker in Berlin vor der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei 1879 gehaltene Reden „Was verlangen wir von dem modernen Judentum?" und „Verteidigung gegen das moderne Judentum" aus. Von Heinrich v. Treitschke rühren die seitdem häufig benutzten Phrasen her von den „Hosen-

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