Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Prof. Dr. Strack über den Antisemitismus
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 687 (sequence 2)
- Language
- German
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Antisemitismus. 687 Nutzung günstiger Umstände und Hilfsmittel inmitten fremder Umgebung kennzeichnen zunächst die Phönizier und später die Araber. Als Soldaten, Seeleute und unternehmende Händler können sie sich nicht nur ebenbürtig neben indogermanische Völker stellen, sondern haben bis 51t einem gewissen Grade sogar ihre Zeitgenossen von dieser Rasse übertrossen und fiub ihre Vorgänger gewesen." In ähnlichen Ausdrücken hat sich Ernest Renan in der ^Allgemeinen Geschichte der semitischen Sprache", Paris 1855, und in den „Studien zur Religionsgeschichte", 1857, geäußert. Die Antisemiten haben den Schriften Renans einige Schlagworte entnommen, obgleich Renans Absichten dieser Richtung fern liegen. Den ungünstigen Einfluß einiger Renanscheu Aeußernngen zeigt ein von dem Ethnologen Friedrich v. Hellwald unter dem Titel „Zur Charakteristik des jüdischen Volkes" in der Zeitschrift „Das Ausland" 1872 veröffentlichter Artikel (dessen gehässige Aenßerungen wir hier nicht wörtlich wiedergeben, weil manche Antisemiten, wie Strack weiter ausnihrt, sie heutzutage ganz ähnlich znm Ausdruck bringen). F. 0. Hellwald war einer der ersten, der das offen darlegte, was -mancher seiner Zeitgenossen nur unbestimmt empfand, weshalb seine Aussätze einen tiefen Eindruck machten. Die Bezeichnung „Antisemitismus" ist, wie aus dem Gesagten hcrvorgeht, kaum drei Jahrzehnte alt, der Antisemitismus war aber schon vor zwei Jahrtausenden vorhanden. Als Be io eis für diese Behauptung beruft sich Strack aus das Buch Esther 3 Vers 8 und insbesondere aus manche Vorgänge in Alexandrien, das zum Sitz des Antisemitismus wurde, und für die das von Flavins Josephns verfaßte Werk „Gegen Apion" die einzige Ansknnftsanelle bildet. Unter den römischen Antisemiten sind Taeitus, Horaz, Juvenal und Martial zu erwähnen, deren Spott sich gegen die Beschneidung, die Enthaltung vom Genuß des Schweinefleisches und gegen die Sabbatfeier richtete. Die Hauptanklagen, die gegen die Juden vorgebracht wurden, waren, daß He nur ihren eigenen Gottesdienst anerkannte'-:, also jeden Bilderdienst zurückwiesen, ihre durch die Speisegesetze bedingte gesellschaftliche Abschließung und die Lev:- rischen Reinheitsgesetze, die den Juden als „adversus alios hostile odiunr£ aus gelegt wurden (Taeitus nlwnm Y.. Nachdem das Christentum im römische»! Kaiserreich über