Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Die Delegiertenversammlung des Landesausschusses für Rheinland und Westfalen
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 682 (sequence 3)
- Language
- German
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6S2 Im deutschen Reich. im frühen Alter jüdische Jünglinge und Mädchen in die Geschäftszentren kämen, in denen es ihnen bisher nicht möglich gewesen sei, einen festen, guten Anschluß zu finden. Die Gefahr sei groß, daß diese in der Entwicklung stehenden Menschen ohne Organisation und ohne günstige Beeinflussung weder zu sittlichen Persönlichkeiten, noch zu guten Inden Herauwachsen, könnten. Hier hätten die Jugendvereine ein großes und dringendes Bedürfnis befriedigt. Dieses Bedürfnis sei auch schon seit längerer Zeit erkannt worden, und man habe zunächst in Köln und auch an anderen Orten verfracht, durch Vereinigungen, die von den Chefs, von den Gemeinden und von großen Vereinen ins Leben gerufen wurden, der Jugend zu helfen. Alle diese gewissermaßen von obenher inszenierten Vereinigungen hätten aber Fiasko gemacht. Erst als die jungen Leute selbst sich zu einer Organisation zusammensanden, habe mau in Köln Den unerwarteten Erfolg zu verzeichnen gehabt, daß der Gabriel-Rießer-Verein nach dreijährigem Bestehen 500 männliche Mitglieder und 200 Inhaberinnen von Damenkarten in sich schließe. Daraus ergebe sich aber die Lehre, daß jede Protektion von oben zu vermeiden sei. Langweilige Vorträge müßten wegfallen. Eure Schulung znm Gedankenaustausch könne nur durch Diskussionsabende mit kurzen, einleitenden Referaten erfolgen. Es sei auch nach den Kölner Erfahrungen verkehrt, politisch religiöse Fragen aus dem Arbeitsgebiet ansznscheiden. Die Erörterung derartiger Probleme habe freilich zunächst hin unb wieder zu starken Auseinandersetzungen Anlaß gegeben. Allmählich aber habe man sich daran gewöhnt, ruhig und sachlich andi andere Auffassungen anznhören und zu diskutieren. Durch Gesellschaftsabende habe man die einzelnes! Mitglieder einander näher gebracht, viele Mitglieder durch Kommissionstätigkeit zur positiven Mitarbeit herangezogen \mb durch persönliche Beeinflussung des einzelnen den Kreis der Mitglieder erweitert und das Vereinsinteresse gekräftigt. Der Central-Verein, der politische Neutralität habe und haben müsse, könne selbstverständlich keine direkte Verbindung mit einem Jugendverein anknüpsen. Er könne auch nicht sich ähnlich dem Verhältnis der nationalliberalen Partei zu ihren Jugendvereinen mit dieser Bewegung liieren. Schon deshalb nicht, damit die stets temperamentvolle Jugend nicht