Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Fakultäten oder Ministerien?
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 678 (sequence 4)
- Language
- German
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678 Im deutschem Reich. heit die Ehre gibt, wird auch zugeben müssen, daß den betreffenden jungen Gelehrten sogar zuweilen die Frucht ihrer Arbeit vorenthalten wird — nämlich die Benennung der Arbeiten nach ihnen als Autoren oder als Mitautoren. Der Ordinarius veröffentlicht die Resultate der Studien einer Reihe seiner Schüler in sehr vielen Fällen unter seinem eigenen Namen und gibt vielleicht wohlwollender Weise in einem Vorworte an, daß die „liebenswürdige Mithilfe" der und der Herren das Reifen der wissenschaftlichen Frucht erst herbeigeführt habe. Diese Leidensgeschichte einer großen Reihe von Anwärtern auf die Dozentur sollte man nacht vergessen, wenn mau die Fakultäten so leichthin von der Hauptschuld an der völlig ungerechten Zurücksetzung der Juden an den Hochschulen freizusprechen geneigt ist. Aber ganz abgesehen davon beginnt im allgemeinen für denjenigen, dem es gelungen ist, zur Dozentur zugelassen zu noerden, mit diesem Tage erst recht das Martyrium. Es mag der, der keinen Einblick in die Verhältnisse getan hat, feinen Beruf höher werten, als den eines Dozenten an einer deutschen Hochschule. Vielleicht ist diese Schätzung auch in den ersten Jahren der Dozentur berechtigt. In Wirklichkeit spielt der a ltge Vo o r d e n e Privatdozent eine traurige Rolle, ob er nun den Titel oder „Charakter" Professor bekommt oder nicht, ist gleichgültig. Denn er gehört nur sehr äußerlich zur Fakultät, bei deren Beratungen er nicht einmal anwesend sein darf, wird von den Ordinarien verhindert, die Vorlesungen zu halten, die ihnen gerade liegen, wenn der Ordinarius sie selbst hält, und er tut gut, in wissenschaftlicher Beziehung nicht etwa anderer Ansicht zu sein als die maßgebenden Mitglieder der Fakultät, weil er sonst v o n vornherein befürchten müßte, bei Vorschlägen und Empfehlungen übergangen zu werden. Natürlich gibt es hie und da auch rühmenswerte Ausnahmen; aber es sind eben nur Ausnahmen. Es ist psychologisch vollkommen begreiflich, wenn durch jahrelange Zurücksetzungen ein solcher Mann in hohe in Grade verbittert wird und infolgedessen auch die Arbeitslust verliert. Wenn man darum von einigen jüdischen Universitätslehrern hört, sie fcieit „faul"', b. h. in der Zunftsprache, ihre literarische Produktion sei in den letzten Jahren mangelhaft