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Im deutschen Reich · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. 677

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Fakultäten oder Ministerien?
Date
1908-12-01
Page
677 (sequence 3)
Language
German
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Fakultäten oder Ministerien» 677 glauben, mau könne aus ihrer Nichtzulassung doch den Schluß ziehen, daß mangelnde Befähigung die Ursache zu dem Mißerfolge gewesen sei. Diese unangebrachte Zurückhaltung ist ein großer Fehler, denn wenn alles einschlägige Material bekannt und gesammelt würde und wenn namentlich die Aeußernngen hervorragender Persönlichkeiten bekannt geworden waren, mit denen man die jüdischen jungen Gelehrten rechtzeitig ,/abzuwimmeln" verstanden hat, dann würde doch eine Besserung der Verhältnisse geschaffen werden: denn die meisten Universitätslehrer werden sich scheuen, das i n d e r O e f f e n tl i ch k e i t zu vertreten, was im geheimen und im Verwaltungswege ohne ihren Widerspruch geübt wird. Es gibt eine große Reihe von jungen jüdischen Gelehrten, -reiche jahrelang als Assistenten und Mitarbeiter von Ordinarien ihres Amtes gewaltet haben und große Spezialarbeiten und eingehende Untersuchungen mit und für die betreffenden Professoren anfertigten. Solche Spezialarbeiten, die vielfach Jahre m Anspruch nehmen, werden natürlich nur in der ausgesprochenen Hoffnung unternommen, die Habilitation zu ermöglichen. Gewöhnlich geht es dann so, daß entweder vor oder kurz nach Abschluß der Arbeit den: Aspiranten mit deur billigen ,,Ausdruck des Bedauerns" eröffnet wird, daß die Stimmung der Fakultät gegen ihn ist. Dagegen kann er nichts machen. Man kann auch nicht etwa einwenden, daß schon der Wert einer wissenschaftlichen Arbeit an sich ein genügendes Entgelt bieten müsse und daß sich ein jeder freuen könne, unter Aufsicht oder Anleitung eines bedeutender: Mannes einige. Jahre gearbeitet zu haben. Dabei wird der vorherrschende Charakter der in Frage kommender: Studien falsch eingeschätzt; denn die betreffenden Untersuchungen bewegen sich meistens nur auf einem bestimmten Spezialgebiete, das für die allgemeine wissenschaftliche Ausbildung eines Gelehrten meist nicht recht wertvoll ist und das namentlich jemanden, der später hauptsächlich der Praxis leben muH, in keiner Weise fördert. N::r wenn morn die Aussicht hat, durch die Universitätslansbahn sich weiter rein wissenschaftlichen Forschungen widmen zu können, haben solche Arbeiten für Weiterentwicklung der Persönlichkeit einen dem Aufwand an Zeit entsprechenden Wert. Wer der Wahr-

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