Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Fakultäten oder Ministerien?
- Date
- 1908-12-01
- Page
- 676 (sequence 2)
- Language
- German
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676 Im deutschen Reich. auch in Bayern gleich. Sie gehen bftfjin, daß es in beiden Bundesstaaten Juden a n ß e r o r d e n t l i ch s ch w er g e - nt acht w ird, zur Privatdozen t u r zu ge l a n g e n. Lediglich die medizinischen Fakultäten an einzelnen größeren Universitäten Preußens machen eine Ausnahme. In allen übrigen Fakultäten, insbesondere auch an den technischen Hochschulen, werden Juden aber nur sehr ungern zur Privatdozentur zugelassen. Schließlich ist es auch in den meisten medizinischen Fakultäten für einen Juden außerordentlich schwer, zur Dozentur zu gelangen. Man mag nur daran denken, daß bis vor wenigen Jahren an der medizinischen Fakultät der Universität München, die in Bezug auf die Anzahl der Medizin Studierenden jetzt an erster Stelle steht und auch früher schon die zweite Stelle im gesamten deutschen Reich einnahm, niemals ein Jude Privatdozent wurde. Man wußte damals auch, daß ein Zulassungsantrag von Juden regelmäßig an dem Widerspruch eines sehr bekannten Klinikers scheiterte. In den übrigen Fakultäten sind jüdische Gelehrte bei der Zulassung zur Privatdozentur immer weit schlechter behandelt worden als Nichtjuden. Man wird wohl kaum auch nur einen einzigen Ausnahmefall finden können, in dem eine Fakultät nicht theoretisch aber praktisch sich auf den Standpunkt stellt, es sei ihr gleichgültig, welcher Religion ein Bewerber angehöre, wenn er die wissenschaftliche Befähigung besitzt. Dabei soll gar nicht behauptet werden, daß alle oder auch nur der größte Teil der Fakultätsmitglicder des Antisemitismus verdächtig sind. Wie's zugeht, wissen wir aus dem Munde eines hervorragenden freigesinnten Ordinarius: die wenigsten Professoren finden es für angebracht, in einer solchen Frage sich „herauszustellen". Werden antisemitische Einwände gegen eine Berufung erhoben, so schweigt die Mehrzahl oder setzt sich wenigstens nicht mit aller Energie zur Wehr; — gerade dieser Punkt wird nicht gern zum Ausgangspunkt von Zwiespältigkeiten gewählt. Daß die häufig vorkommenden augenfälligen Zurücksetzungen von Juden nicht immer in genügender Weife an die Öffentlichkeit gelangen, hat darin seinen Grund, daß die Zurückgewiesenen meist aus recht falsch verstandenem Ehrgefühl mit den Mitteilungen über ihre Erlebnisse zurückhalten. Sie