Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 628 (sequence 7)
- Language
- German
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628 Im deutschen Reich. ' öffentlich mißbilligen wolltendie Regierung diesen Mißstand sofort beseitigen würde, aber bisher waren es nachweislich gerade die Fakultäten, die sich von dem Zopf des Fanatismus nicht trennen konnten oder wollten. Auf dem 2. Deutschen ^o^^^c£)u^^ef)reriage in Jena rügte zwar am 29. September der Heidelberger Nationalökonom, Prof. Alfred Weber, die systematische Uebergehung der Juden bei der Besetzung von Universitäts-Lehrstühlen, aber eine bezügliche Resolution wurde weder angeregt noch beschlossen. Weber sagte: „Ich muß wieder die Rolle des Enfant terrible spielen. Eine Menge von Lehrkräften wird aus bestimmten sozialen und, wie ich mit aller Schärfe unterstreichen muß, aus gewissen Rassenvorurteilen nicht in die Stellen befördert, die ihnen eigentlich gebühren würden. (Zustimmung.) Bei einer umfangreichen Neubesetzung der Lehrfächer in einer Fakultät ist kein einziger Jude berücksichtigt worden, obgleich diese die qualifiziertesten Bewerber waren. Sollen diese Akademiker der Guillotine verfallen und herausgeworfen werden? So sehr ich mit den sachlichen Gesichtspunkten des Prof. Kraepelin übereinstimme und so sehr diese geeignet sind, der Entartung der medizinischen Fakultät entgegenzutreten, so sehr muß ich den heutigen Zustand bekämpfen/' Daran knüpfte sich nicht einmal eine Debatte. Uebrigens hat der Heidelberger Professor schon früher in einem Artikel der „Frankfurter Ztg." den erwähnten Mißstand zur Sprache gebracht und bei der Erwähnung eines Falles, in dem ein Historiker und Nationalökonom seine Habilitation an einer preußischen Universität nicht erreichen konnte, weil er seine Kinder nicht taufen ließ, geäußert, daß „religiöse Gemeinschaften ihre Sakramente nicht dazu gebrauchen lassen sollten, auf gleicher Linie mit Korpsbändern und Reserveoffiziers-Patenten als Mittel zum Karrieremachen zu dienen". Dies veranlaßte den Pfarrer Rade- Marburg, in der „Christlichen Welt" zu bemerken: „Zur Entschuldigung der „Kirchen" ist zu sagen, daß ihnen solche Fälle in der Regel nicht zur Kenntnis kommen, daß die Beziehungen der „Kirchen" zum Staat überaus verwickelte sind, und daß „der Staat" an derlei Nötigungen der Gewissen schuldiger ist als die „Kirche"." Daß aber auch die Staatsleiter an den, an den preußischen Universitäten Herr-