Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Mose
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 619 (sequence 4)
- Language
- German
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behagen festgehaltene Charaktergemalde- Alt-Israels. Nickt aach ihren niedrigsten, sondern nach ihren besten Vertretern -ft das sittliche Niveau einer Volksgemeinschaft abzuwerten. Stades Charakterbild der Volkssittlichkeit Israels ist aber 'nichts mehr als ein Aufspüren ihrer niedrigsten Äußerungen. „Vielmehr war Israel gerade als. Volk besser, sittlich tüchtiger, geistig höher als seine Brüder und Feinde" (Volz, S. 65). Die religiösen Volksschriftsteller Israels sind beredte Zeugen für sich selbst und die.sittliche Tüchtigkeit ihres Volkes. Die Empörung über Gibeas Schandtat ist so allgemein, daß das Volk einmütig aufsteht, um Gibea zu züchtigen. Die ständige Redeform: „So tut man nicht in Israel", spricht für das sittliche Bewußtsein im Volke. Die sich dann und wann brutal äußernde Grausamkeit in der Kriegsführung war durch die notwendige Abwehr der kultisch und. sittlich verwerflichen Fremdkultur geboten. Ein Paktieren mit dieser Fremdkultur wäre der Anfang vom Ende der eigenen gewesen. Die ganze nachmosaische Geschichtsschreibung zeugt aber vor allem von einer beispiellos intensiven Religiosität des Volkes. Die ganze Geschichte ist für sie ein fortlaufender Beweis für Gott. Jedes Unglück wird als Strafe für sitt siche Verfehlung erklärt. Die Sünde selbst ist nur ans dem Richtkennen Gottes zu verstehen. Auf dieseni Hintergründe zeichnet Volz das Werk Moses. Seine Bedeutung ist eine wesentlich religiöse. Gott ist ihm der sittliche Weltenwille, der sich gesetzgeberisch offenbart. Der Einzelwille soll mit dem Weltenwillen eine innere Einheit bilden. Dieser Weltenwille ist naturgemäß absolut einheitlich. Die Einheitlichkeit Gottes erkannt zu haben, ist nach Bolz nicht Moses ursprüngliches Verdienst. Der monotheistische Grundzug ist vielmehr für alle Urreligionen charakteristisch. Er erhält sich in ihnen auch trotz aller polytheistischen Unterströmungen und wagt sich da und dort einmal schüchtern zum Lichte. Gerade Mose lebt in einer Zeit, die von monotheistischer Sehnsucht erfüllt ist. Dieser Eine Gott Moses ist selbstverständlich national unbeschränkt, und mutig bekennt Volz (S. 78): „Der Gott des Mose ist der Gott der Propheten, es gibt keinen prinzipiellen Unterschied zwischen der