Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Mose
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 618 (sequence 3)
- Language
- German
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618 Im deutschen R"'chnoch den nationalbeschrankten Gottesglauben des Mose und seine wesentlich von außen kommende Eingottidee als letzte Bastionen der alten Anschauung verteidigt, hat Bolz den Mut, diese brüchigen Bastionen aufzugeben und Mose zu seinem geschichtlichen Rechte zu verhelfen. Allerdings hatte schon Wellhausen (Kultur der Gegenwart, S. 15), bekennen müssen: „Aus Aegypten oder Babylonien kann I.... nicht importiert sein, weder als nationaler noch als universaler Gott/' Aber die ernste Frage, warum das hochzivilisierte Babylonien und das fast überkultivierte Aegypten, deren Entwicklungsgeschichte beinahe zweitausend Jahre vor Israels Volkswerdung einsetzt, trotz monotheistischer Regungen niemals über den Polytheismus hinausgekommen sind, blieb von ihm unbeantwortet. Diese Antwort gibt Botz, indem er aus Grund der Ergebnisse der orientalischen Forschung die Anerkennung der Geschichtlichkeit des religiösen Genies Mose als unentbehrliche Voraussetzung der Einzigartigkeit seines Werkes fordert. Mit feinem Mutungsvermögen vertieft sich Bolz rn die vorprophetische Literatur der Bibel. Das Ergebnis dieses Liefen Eindringens in diese scheinbar schon längst abgebauten Schächte ist die volle Bestätigung der biblischen Ueb e r z j e f e r un g. Der Gott Moses war schon vor Mose bekannt. Mose läuterte die alten Gottesideen zum Gottideal. Aber schon der vorrnosaische Gott war nicht Lokalgott. Er war nicht nur Landes- und Volksgott Israels, sondern Weltengott, und als solcher Schutzherr des Rechtes. Gott Israels ivar er nur insoweit, als er sich aus freiem Entschlüsse Israel aus allen Völkern der Erde zu seinem Eigentum erkoren.^') Mit gleichem Feingefühl für den Geist des vorprophetischen Israels schildert Bolz die Volkssittlichkeit vor dem Auftreten der schriftstellernden Propheten. In klaren Linien entwirft er das Bild des sittlich und kulturell hochstehenden Volkes im mosaischen Zeitalter und beseitigt so das. bisher mit zähem *) Das hat bereits Luther (bei Meyer, die Israeliten und ihre Nachbar stamme, Halle 1906, S. 167 f.) und Procksch (das iwrd hebräische Sagenbuch, Leipzig 1906, S. 199) zugestanden.