Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Mose
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 620 (sequence 5)
- Language
- German
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» 20 Im deutschen Reich. Hotteserkenntnis des Mose und der prophetischen." „Wenn wir die Propheten, die Psatmisten, die Schriftgelehrten, die heutigen Juden nebeneinander stellen, so finden wir, es sind verschiedene Typen der gleichen religiösen Grundanschauung. Sie stehen alle in dem Strome, den wir mit Mose beginnen sehen, in dem Strome der unbedingten sittlichen Hingabe an den Einen Gott" (das. S. 104). Die bisher als alleingültig betrachtete Literarkritik, die auf Grund der vorgefaßten Meinung vom sittlichen Unterwert des vorprophetischen Israels jede sittliche Aeußerung der vorprophetischen Literatur als Zeugnis für deren prophetischen Ursprung benutzt hat, ist also einer strengen Revision zu unterwerfen. Die hyperkritische Zerfetzungstheorie der vorprophetischen Bibeltexte hat willkürlich die Maßstäbe für die kulturelle und sittliche Bewertung der ältesten Zeitschichten konstruiert. Das ist die Erkenntnis, welche das neuerstandene Weltbild des Orients offenbart und welche eine vorurteilsfreie Beurteilung des vorprophetischen Israels nach den vorhandenen Quellen in allen Teilen bestätigt. Die Propheten sind nicht geniale Neuschöpfer, sondern die bewußten Lehrmeister der bisweilen vergessenen und oft entarteten mosaischen Wahrheit. Sie haben die Erkenntnisse Moses vielleicht da und dort verfeinert, eine neue Religion haben sie nicht geschaffen und nicht zu schaffen brauchen. Was Kuenen und Wellhausen als „Volksreligion" Israels darstellen, ist ein Abfall von der mosaischen, ein Rückfall in das Heidentum, aber nicht die Religion Moses. Das biblische Schrifttum kann nicht von Arabien und nicht von Babylon aus erklärt werden. Die Bibel ist ein Ding für sich, das vorerst aus sich heraus verstanden werden muß. Die Religion Israels ist „eine Religion s u i g e n e r i s (eigener Art) und bedeutet als religiöse Macht w e i t mehr als alle a l t o r i e n t a l i s ch e n Religionen zusammen" (Bäntsch a. a. O. Einl. u. S. 88). Neben Hammurabi, den Babylonier, und Chuenaten, den Aegypter, tritt Mose von neuem als geschichtliche Persönlichkeit. Das Werk der beiden ersten mußte aus dem Schutte der Trümmerfelder Asiens und Afrikas herausgegraben werden. Moses Werk aber ist niemals gestorben; es lebt, lebenwerbend und lebenweckend durch die Jahrtausende.