Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 11 (November 1908)
- Article
- Mose
- Date
- 1908-11-01
- Page
- 617 (sequence 2)
- Language
- German
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ge-nie eines Größeren auf ihn gewirkt hat: die alttestamentliche Wissenschaft der christlichen Gelehrten muß sich dazu bequemen, das Monument für Mose neu zu erbauen. Schon in der Darstellung Wellhausens (Kultur der Gegenwart, S. 7—15), und noch mehr bei Stade (Biblische Theologie, 1905), und bei Marti (Die Religion des Alten Testaments, 1906), beginnt die Person des Mose wieder geschichtlich hervorzutreten. Den Anfang mit der Umkehr, die eine Heimkehr der christlichen Theologie nach langen Irr- und Abwegen bedeutet, macht aber B. Bäntsch in seinem Werke: „Altorientalischer und israelitischer Monotheismus" (Tübingen, 1906), das er bezeichnend „ein Wort zur Revision der entwicklungsgeschichtlichen Auffassung der israelitischen Religionsgeschichte" nennt. Das Monument für Mose baut dann mit starker Meisterschaft Paul Bolz in seinem „Mose. Ein Beitrag zur Untersuchung über die Ursprünge der israelitischen Religion" (Tübingen, 1907). Ich glaube, daß es sich wohl ziemt, daß jüdische Kreise von dieser bedeutsamen Wandlung in der christlichen Bewertung der Heiligen Schrift und ihres größten Genies erfahren. „Wer sich heute nur einigermaßen in religionsgeschichtlichen Dingen auskennt, der weiß, daß geschichtliche und ethische Religionen stets auf eine geschichtliche Persönlichkeit als auf ihren Begründer oder Stifter zurückgehen." Die Religion Israels „kann nur von einer großen, starken, mächtigen Persönlichkeit, von der wir erwarten müssen, daß sie auch sonst Spuren in der Geschichte hinterlassen hat", geschaffen sein. Die Religion Israels ist aber, „soweit wir zurückdenken können, immer auf Mose zurückgeführt worden". Darum können wir „gerade vom Standpunkte der neueren religionswissenschaftlichen Erkenntnis aus Mose als historische Persönlichkeit nicht entbehren" (Bäntsch, S. 65 f. 85).*) Während aber Bäntsch *) Die phantastische Annahme, daß sich die ganze Geschichte Israels in kosmische SLernensagen, die sogenannten Astralmythen, auflösen lasse, eine Behauptung, die übrigens im Anfang des 14. Jahrhunderts in der Provence auch von jüdischer Seite aufgestellt worden (s. R. G. A. des Salomoh ben Addereth 415), ist durch die beginnende geschichtliche Auffassung als erledigt zu betrachten.