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Im deutschen Reich · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. 598

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
14 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
F. Heman [Rezension]
Date
1908-10-01
Page
598 (sequence 5)
Language
German
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598 Im deutschen Reich. Nein, ein Schriftsteller, der von der vorgefaßten Meinung ausgeht, das Judentum muß unfruchtbar sein, weil a priori nur das Christentum fruchtbar sein darf, ist sicherlich kein angemessener Geschichtsschreiber für die Juden, und seine guten Absichten lassen ihn bei dem ersten Konflikte im Stich. Die Anklagen gegen die Juden im Mittelalter wegen Hostienschändung seien materiell unwahr, ebenso wie die, daß die Juden das Blut der Christenkinder genössen. Aber ideell sei etwas Wahres daran (S. 356 f.): „Die Juden schändeten zwar keine Hostien, schädigten aber das Christentum, wo und wie sie konnten; sie tranken zwar nicht das Blut christlicher Kinder, aber durch ihren Wucher sogen sie das Volk bis aufs Blut aus." Auf den jüdischen Wucher werden wir später zu sprechen kommen. Wo und wie aber hat der Verfasser gefunden^ daß die armen, wehrlosen, gedemütigten, verfolgten Juden des Mittelalters „das Christentum schädigten, wo und wie sie konnten?" Heraus mit den Beweisen, Herr Professor Heman. Wenn Sie solche nicht beibringen können, so haben Sie einfach gelogen, sind ein heimlicher Verbündeter des von Ihnen verleugneten Antisemitismus, indem Sie die Judenmörder des Mittelalters rechtfertigen.' „Die Feindschaft und den Widerwillen der Juden gegen das Christentum, das der Deutsche als sein höchstes Geistesgut schätzte, dem er alle seine Kultur verdanktet!), symbolisierte und kristallisierte gleichsam das deutsche Volk in seinen Anklagen gegen die Juden wegen Hostienschündung;" — wenn Sie von der „Unvereinbarkeit der beiden heterogenen Elemente, deutsches Volk und jüdisches Volk" sprechen, die „Ausdruck in jenen beiden Anklagen fanden, welche mit furchtbarer Hartnäckigkeit immer wieder gegen die Juden erhoben wurden". Diese Unvereinbarkeit, diese Heterogenität sind und werden vom Religionshaß und Brotneid gewisser christlicher Bevölkerungsklassen im Mittelalter und in der Neuzeit künstlich geschaffen, und wer sich zu ihnen bekennt, ist, mag er es eingestehen oder nicht, ein in Vorurteil und Gehässigkeit befangener Mensch; kein Geschichtsschreiber sondern ein Pamphletist. Auf Seiten der Juden liegt hier weder ein Verschulden noch übler Wille vor noch das Empfinden der Heterogenität. Und so geht es in dieser „Geschichte" weiter. Welche Keckheit der Hamburger Juden des 17. Jahrhunderts, sich

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