Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- F. Heman [Rezension]
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 597 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherschau. 597 christliche Begriff „GoLLesreich" ist ja nur Uebersetzung unseres MalkuL Schumann. Und wie wir angeblich feil Jahrhunderten die Bibel über den Talmud oder den Talmud über den Schnlchan dlruch verloren haben, so impntierr uns Herr Heinan lecklich (S. 476): „Die chassidische Frörnnrigkeit ist die einzig bei deil Juden noch übrig gebliebene." Natürlich folgert der „Historiker" aus diesenr eine ganze Religionsgemeinfchafr lästernden Satze, daß ans solcher Gesinnung eine „religiöse Wiedergeburt"' des jüdischen Zolles unmöglich hervorgehen könne. Und diese Unmöglichkeit sei schon seit dem Mittelalter vorhanden (S. 290 f. — 600): „Ein religiöser Aufschwung, eine religiöse Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens ist für die Inden unmöglich sschon mit IöOOj . . . Das Judentum hat seit Abschluß des Talmuds überhaupt, außer der Kabbala, religiös nichts mehr produziert . . . Die Juden haben ihr geistiges Leben und jeglichen Fortschritt nie ans sich selbst, sondern immer nur ans der Berührung mit christlichem Geist zu schöpfen vermocht." Das wagt unser Verfasser zu sagen, nachdem er selber das Aufblühen des jüdischen Geistes unter dem Einflüsse des spanischer! Islam geschildert har! Das gegenüber eineur Saadia, einem Maimonides, einem Gabirol, einem Halevi' Wenn Hemann nicht von seiner vorgefaßten Meinung verblendet wäre, so würde er sich wahrscheinlich erinnert haben, daß jedes Volt vorn anderen lernt, und daß z. B. die deutsche Literatur vor! Griechenland und Aon-, von Italien und Frankreich, von England und neuerdings von Skandinavien imb Rußland beeinflußt und abhängig gewesen ist. Aber auch der Islam ist nach Hern an zu jeder Zeit unfähig zu geistiger Produktion und immer ungerecht gegen die Inden (S. 109 s.) gewesen. Freilich muß der Verfasser zugeben, daß die Inden im mohammedanischen Spanien „die glänzendste .und glücklichste Periode seit ihrer Zerstreuung erlebt habet!" iS. 119), daß sie von den Türken niilde, ja mit Vorliebe behandelt wurden zu einer Zeit, wo die christlichen Staaten sie mißhandelten, verjagten, plünderten, ncordeten. Allerdings soll hieran die „Religion der Liebe" nicht schuld sein. — Schade nur, daß es liberall ihre Priester waren, die zur Ausschließung, Verfolgung und Hiuschlachtung der Inden anfjorderten.