Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 572 (sequence 9)
- Language
- German
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572 Im deutschen Reich. bäte den Parteien abzujagen, die bisher diese Mandate besaßen, würden nur den Beweis dafür liefern, daß die Deutsch-Sozialen und die Reformer ohne konservative oder agrarische Unterstützung völlig ohnmächtig sind. Wenn der Antisemitismus in Hessen abflaut, so vollzieht sich dort nur, was sich in aller Stille im Königreich Sachsen, einem anderen ehemaligen Eldorado der Antisemiten, längst vollzogen hat. Ueber die umfassenden organisatorischen Aenderungen, die auf der am 20. Dezember d. Js. in Riesa stattfindenden Jahresversammlung der antisemitischen sächsischen Landesvereine geplant sind, berichtet die „Dresdner Volkszeitung" eingehend und bemerkt dazu: „Die vorgesehenen Aenderungen an der Organisation werden an dem sicheren Untergang der R e f o rmPartei in S a ch s en nichts andern. Schon längst ist der Bankrott soweit gediehen, daß die Antisemiten keine Rolle mehr im politischen Leben spielen können. Die öde Judenfresserei ist selbst den sächsischen Spießbürgern zu duuun geworden." Um so verwunderlicher ist es, daß preußische konservative Blätter ihre Leser noch mit Anschauungen anöden dürfen, die man in andern deutschen Ländern endlich überwunden hat oder doch mehr und mehr abstreift. Die „Boss. Ztg." hatte bei einer-Schilderung der Lage öes Deutschtums ln hex Ostmark der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß trotz aller Drohungen der Polen die jüdischen Kaufleute in Posen sich auch künftig als Stützen des Deutschtums erweisen würden, so sehr ihnen dies durch die Engherzigkeit ltnb den Kastengeist der führenden Klassen in der Ostmark erschwert werde. In ihren!, durch keine' Sachkenntnis getrübten antisemitischen Uebermnt schrieb dagegen das Organ des Bundes der Landwirte, die „Deutsche Tageszeitung": „Daß die Juden sich als Stützen des Deutschtums erweisen werden, das ist jedenfalls zuviel gesagt. Das Deut s ch t u m b e darf s o l ch er St ü tz e n im eigentlichen Sinne des Wortes nicht: es würde vielmehr bedenklich sein, wenn es auf solche Stützen angewiesen wäre. Wenn die Juden das Bedürfnis empfinden, im Kampfe für das Dentschtunl mittätig zu sein, so mögen sie das tun: als Stützen des Deutschtums dürfen und sollen