Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 571 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 571 Die frühere Machtstellung der Antisemiten scheint dort, nach allein, was über die lebhafte Agitation für die LanöLagsrvahlen tm Grostherzogtum Beffen verlautet, völlig erschüttert. In den „Deutsch-sozialen Blättern" hat noch am 26. August der antisemitische Amtsrichter Willi Mahr einen Wahlaufruf erlassen, in denn er dem Bund der Landwirte gegenüber ein selbständiges Vorgehen seiner Partei empfahl, dies aber davon abhängig machte, daß Geldmittel beschafft würden. Er schrieb dabei kläglich: „Gelingt der Sieg diesmal nicht, müssen die Zukunftshoffnungen wieder um verlorene drei Jahre zurückgesteckt werden, dann war es nur, weil uns die Munition zu ausdauerndem Kampfe mangelte. Die Schuld aber trügen alle die Gesinnungsgenossen im ganzen Reiche, die ihre Treupflicht zum Munitions-Ersatz nicht erfüllten." Inzwischen aber hat die selbständige deutsch-soziale Landesorganisation in Hessen schon eingesehen, daß sie die erforderlichen Mittel nicht erlangt, voo nicht der „Bund der Landwirte" hinter ihr steht, und hat vor diesem, der sie ausschließlich auf den Kampf gegen die Liberalen einschränkt, tapfer den Rückzug angetreten. Nur in Lauterbach, einer alten antisemitischen Hochburg, werden sich die Antisemiten mit den Nationalliberalen messen' im übrigen dürften die mit den Nationalliberalen paktierenden Bauernbündler und die Linksliberalen so an Boden gewonnene haben, daß der hessische Anhang Liebermanns dagegen nicht mehr aufkommen kann. Der Ausfall der hessischen Landtagswahlen roivb aber auch voraussichtlich auf die künftigen IZeicfysiaasxvälnen zurückwirken; eine eklatante Niederlage der „Deutsch-Sozialen" bei den Landtagswahlen würde die erfreuliche Folge haben, daß die antisemitischen Mandate für den Reichstag mit Erfolg zu bekämpfen sein unb die Antisemiten ihrer ersten Wahlerrungenschaften verlustig gehen würden. Bei den im Oktober d. Js. bevorstehenden Reichstagsersahwahlen in den Kreisen Prenzlan-Angermünde, Memel-Heydekrug, Helmstedt-Wolfen büttel und Speyer sind auch keine antisemitischen Siege zu befürchten. Etwaige Versuche der Antisemiten, eines dieser Blau-