Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 14 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1908-10-01
- Page
- 570 (sequence 7)
- Language
- German
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570 Im deutschen Reich. neuen Verbände angeschlossen: der Freie Vaterländische Bund des Herrn Hans v. Mosch, der Deutschbund, der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband, der Alldeutsche Verband, der Deutsch-nationale Kolonialbund, der Tiroler (!) Volksbund, der Bund der Vaterländischen Arbeitervereine, der Vaterländische Arbeiterverband Groß-Berlin, der Alldeutsche Sprach- und Schriftverein, der Alldeutsche Turnverein, der Deutsch-völkische Turnverein, der Alt-Herren-Berband des Vereins Deutscher Studenten und einige farblose Sprachvereine. Der Verband gibt an, keiner politischen Partei oder Konfession dienstbar sein zu wollen: d. h., er will die antisemitischreaktionären Kräfte unter möglichster Verdeckung der Flagge sammeln und damit neue Propaganda machen. „Wer sie nicht kennte, die Elemente" — Mosch, Liebermann, Diedrich Hahn, den deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband und den Verein deutscher Studenten! Das Unternehmen ist, nach seiner ganzen Tendenz und der feucht-fröhlichen Form Zu urteilen, in der es mit den üblichen nationalen Phrasen eingeleitet wurde, ein Werk des leistungsfähigsten Antisemiten Liebermann v. Sonnenberg, der aus Anlaß seines am 21. August gefeierten 60. Geburtstages von der agrarischen und antisemitischen Presse besonders für seine „Dauerhaftigkeit" mit Lob überhäuft wurde. Die Stöckersche Presse rühmt ihm nach: „Es dürften nur wenige Versammlungen gewesen sein, deren meist begeisterte Nachfeier der Führer vor den letzten verlassen hat." Der zugkräftige, mit einer sturmerprobten Kehle versehene Vorsitzende der „Wirtschaftlichen Bereinigung" wird bald zu seinem Schaden merken, daß die weit zugkräftigeren Motive, die ihm Rudolf Hertzog lieferte, als Liebermann vor einen: Vierteljahrhundert gemeinsam mit Stöcker und Adolf Wagner die „Berliner Bewegung" in Fluß brachte, dahin sind und sich durch die künstliche Zusammenfassung einer ganzen Anzahl antisemitisch angehauchter kleiner Vereinigungen kaum ersetzen lassen werden. Die deutsch-soziale Partei braucht Geld, und ihre Führer find klug genug, es nicht in Berlin zu verzetteln, wo für sie nichts zu gewinnen ist, sondern dazu, ihre Errungenschaften in Hessen zu verteidigen, den Boden, den sie bisher als ihre beinahe unbestrittene Domäne betrachteten.